Kommentar: Ein Schlussstrich, der sich seit Wochen anbahnte

Kommentar: Ein Schlussstrich, der sich seit Wochen anbahnte
Mal schauen, wer ab Sommer im Dortmunder Stadion die Kommandos geben wird. (Bild: tmy)

Dortmund (tmy) – Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hat sich von seinem bisherigen Übungsleiter Lucien Favre getrennt. Am Sonntagnachmittag machte der BVB die Entscheidung öffentlich, die sich bereits am Samstagabend abgezeichnet hatte. Eigentlich war für das Team mit Favre am Sonntag, ab 15.30 Uhr, ein Training angesetzt. Ein Kommentar.

Dass es in den vergangenen Monaten nie so richtig ruhig geworden ist, um die Arbeit von Lucien Favre beim Vize-Meister der vergangenen beiden Spielzeiten, hat nun wirklich jeder mitbekommen. Selbst Menschen – die nicht intensiver mit dem Fußball verbunden sind – haben gehört, dass es um Favre und die Borussia immer wieder Trennungsgerüchte gab, die sowohl vom Trainer als auch von Verantwortlichen dementiert wurden oder werden mussten.

Favre, der bei seinen Stationen in Deutschland nicht gerade als Lautsprecher, sondern eher als introvertierter Analytiker bekannt wurde, ist eben kein Jürgen Klopp. Dieser war in Dortmund an der Seitenlinie mitunter als Vulkan bekannt, legte sich regelmäßig mit den Unparteiischen an und nahm so auch Druck vom Team, das zuletzt in wichtigen Spielen etwas mehr Feuer von der Seitenlinie gebraucht hätte. Dennoch möchte ich Favre seine Klasse nicht absprechen. 

Aber ich denke, dass die Borussen für die hochgesteckten Ziele und die Weiterentwicklung der Mannschaft im Zusammenspiel zwischen Jung und Alt einen anderen Trainertypen brauchen, als es der Schweizer ist. Dennoch möchte ich auch erwähnen, dass der BVB den Ausfall von Tormaschine Haaland nicht kompensieren konnte und die gesamte Spielanlage ziemlich durcheinander geraten war. Da kann und konnte auch ein Lucien Favre nichts dafür.

Nun soll und muss es also Edin Terzić richten, der den Champions-League-Achtelfinalisten bis zum Saisonende betreuen wird. Im Hintergrund basteln „Aki“ Watzke, Michael Zorc und Sebastian Kehl schon an der neuen Lösung für die Zukunft, die angeblich aktuell bei einer anderen Borussia unter Vertrag steht. Marco Rose aus Mönchengladbach soll es vermutlich machen. Um langfristig Erfolg zu haben, sollte der BVB kein Verkäufer-Verein mehr sein.

Denn: Nur wenn es die Dortmunder schaffen, die sich entwickelnden Leistungsträger länger im Ruhrpott zu halten, kann man dem Klassenprimus aus München und der aus meiner Sicht neuen Nummer zwei im Land, den „Roten Bullen“ aus Leipzig, gefährlich werden. Wenn eine Mannschaft ziemlich identisch bleibt und nur punktuell verändert wird, kann das – Trainer hin oder her – Erfolg versprechen, wie aktuell selbst auch das Beispiel Bayer 04 Leverkusen zeigt.

Dessen Trainer Peter Bosz war in der Vergangenheit ja auch mal ein „Schwarz-Gelber“. Aber so richtig heimisch ist auch der Niederländer in Westfalen nicht geworden. Vielleicht ist es für eine erfolgreiche Zukunft vonnöten, dass sich die Borussia aus Dortmund an anderen Stellen personell neu aufstellt. Es ist ja nicht immer der Coach, der die Entwicklung einer Mannschaft „ausbremst“. Eventuell gilt es, für die ganz großen Ziele alte Zöpfe abzuschneiden.

Was ist Ihre Meinung zum Trainerwechsel in Dortmund? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an unseren Sportredakteur Thomas Schlichte unter t.schlichte@wochenblatt-news.de