KIKA Award Jüdisches Leben im Laupheim: Diese Mädels kämpfen gegen das Vergessen

Jüdisches Leben im Laupheim: Diese Mädels kämpfen gegen das Vergessen
Fiora (l) und Kaja (r) setzen sich mit ihrem Projekt gegen Antisemitismus ein. Bild: Bavaria Entertainment

Der Kindersender „KiKA“ kürt die innovativsten Ideen von Kindern und Jugendlichen. Kaja und Fiora aus Friedrichshafen hatten eine solch wichtige und clevere Idee. Mit ihrem Projekt haben sie gute Chancen auf den Sieg. Was dahinter steckt und wie die Mädels unterstützt werden können, gibt’s hier zu lesen.

Der KiKA-Award wird in vier verschiedenen Kategorien verliehen. Diese laufen unter den Mottos „Clever Online“, „For Our Planet“, Kinder für Kinder“ und „Make A Change“. In Letzterer sind auch die 17-jährigen aus Friedrichshafen nominiert. Sie landeten mit ihrem Projekt „Jüdisches Leben in meiner Stadt“ in der Endauswahl der Jury und kämpfen in den folgenden Tagen darum, ihrem Award näher zu bekommen. Im besten Fall räumen sie die Trophäe in der Finalshow am 18. November ab. Das große Finale findet am 18. November, um 19.30 Uhr, in Erfurt statt und wird live im KiKA und online übertragen.

Da ist sie, die begehrte Trophäe, die die Gewinner*innen des KiKa-Awards bekommen.Bild: KiKA
Da ist sie, die begehrte Trophäe, die die Gewinner*innen des KiKa-Awards bekommen.
Bild: KiKA

Interview: Was ist jüdisches Leben in meiner Stadt?

Wir wollten von Kaja und Fiora genauer wissen, worum es genau bei ihrem Projekt geht. Sie starteten „Jüdisches Leben in meiner Stadt“ zusammen mit Karoline (18) und Frida (19) in Laupheim und Rostock. Warum ausgerechnet dort und nicht in Friedrichshafen, worum es ihnen geht und was genau sie mit ihrer Idee eigentlich bezwecken, verraten sie im Interview.

Wochenblatt: „Wer seid ihr, was macht ihr und mit welchem Projekt habt ihr euch für den KiKA Award beworben?

Wir sind Kaja und Fiora aus Friedrichshafen und haben zusammen mit Frida und Karo aus Rostock 2021 das Projekt „Jüdisches Leben in meiner Stadt“ ins Leben gerufen, mit welchem wir uns beim KiKA Award beworben haben. Unser Projekt ist ein Stadtrundgang über jüdisches Leben, mit dem wir Wissen über das jüdische Leben in der Vergangenheit vermitteln wollen, aber uns auch gegen Antisemitismus und Diskriminierung einsetzen wollen.“

Wochenblatt: „Wie seid ihr auf die Idee gekommen, steckt eine persönliche Geschichte dahinter?“

Wir haben beim Anne Frank Botschafter*innen Seminar vom Anne Frank Zentrum Berlin mitgemacht und in diesem Seminar haben wir die Idee des Projektes entwickelt. Wir sind alle in Geschichte interessiert und es ist uns ein Anliegen gegen Diskriminierung und Antisemitismus vorzugehen.

Wochenblatt: „Wie genau funktioniert jüdisches Leben in meiner Stadt?“

Jüdisches Leben in meiner Stadt ist ein interaktiver Stadtrungang, bei dem wir mit Schulklassen durch die jeweilige Stadt laufen und dabei Orte des jüdischen Lebens besuchen. Dabei dürfen die Schüler*innen sich gegenseitig Orte des jüdischen Lebens oder Personen vorstellen, die bedeutend für die Stadt waren. Des Weiteren erfährt die Schulklasse konkret an einem Beispiel, wie das Leben der jüdischen Bevölkerung lange Zeit vor, während und nach dem Holocaust war. Zum Schluss thematisieren wir Antisemitismus und Diskriminierung im Allgemeinen in unserer heutigen Gesellschaft.“

Wochenblatt: „Warum habt ihr ausgerechnet Rostock und Laupheim ausgewählt und nicht Friedrichshafen?“

Wir haben uns für Rostock und Laupheim entschieden, da es in diesen Städten noch heute viele historische Orte von jüdischem Leben gibt und die Städte ihre eigene Geschichte haben. Laupheim war die größte jüdische Gemeinde Oberschwabens und das jüdische Leben war bedeutend für die Stadt Laupheim. Aus diesem Grund eignet sie sich besonders gut und wir hatten auch die Möglichkeite bei ortsansässigen Organisationen um Hilfe zu fragen, um die historischen Gegebenheiten korrekt widerzugeben. Daher haben wir uns dafür entschieden unser Projekt in Laupheim umzusetzen und nicht in Friedrichshafen.“

Wochenblatt: „Wäre das Projekt auch für andere Städte denkbar bzw. realisierbar?“

„Prinzipiell ist das grundsätzliche Konzept auf jede Stadt anwendbar, in der es jüdisches Leben gegeben hat. Jedoch haben wir in unseren Stadtrundgängen direkte Beispiele aus der jeweiligen Stadt integriert, daher können unsere Stadtrundgänge nicht eins zu eins in anderen Städten durchgeführt werden, sondern man müsste sich erneut über die Vergangenheit der Stadt informieren.“

Bei Vorentscheid und Finale zuschauen

Wenn das Projekt der Häflerinnen gewinnen sollte, können sie sich mit der Erweiterung auf andere Städte sicher intensiver befassen. Doch bis es soweit ist, heißt es erst einmal Daumen drücken! Denn jetzt geht es erst einmal in den Vorentscheid. An drei aufeinanderfolgenden Tagen (15. bis 17. November 2022) werden im KiKA, jeweils um 19.25 Uhr, die Projekte präsentiert. Kaja und Fiora sind mit ihrem Projekt am 17. November zu sehen. Eine Jury entscheidet darüber, wer ins Finale am 18. November kommt. Doch ob sie den Award jetzt mit nach Friedrichshafen nehmen oder nicht: Die Schülerinnen haben mit ihrer Idee schon jetzt einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft geleistet. Einen Beitrag gegen das Vergessen, der hoffentlich dabei hilft, alte Fehler nicht zu wiederholen.