„In Gedanken sind wir in Israel“

„In Gedanken sind wir in Israel“
Ein Wasserspeicher, im Hintergrund Gaza (Bild: PR)

Freier Redakteur
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Schon den elften Tag toben die Auseinandersetzungen zwischen militanten Palästinensern und dem israelitischen Militär. Während aus dem Gazastreifen über 3000 Raketen auf Israel abgefeuert wurden, antwortete das israelitische Militär mit Luftangriffen und Mörserbeschuss auf die Stellungen der radikalislamitischen Hamas.

In Bad Buchau machen sich u.a. Bürgermeister Peter Diesch und Charlotte Mayenberger, die sich der Geschichte der Juden in Bad Buchau verschrieben hat, Sorgen um ihre Freunde in Israel.

Charlotte Mayenberger, berichtet über die Wohnorte von Nachkommen, der einst in Buchau lebenden Juden und wie es ihnen im Moment geht: „Die Nachfahren von Rabbiner Dr. Ferdinand Strassburger und seiner Frau Alice Nördlinger, Tochter von Sanitätsrat Dr. Simon Nördlinger, leben in Kfar Menacem. Die Enkel und Urenkel haben schon mehrmals Buchau besucht. Kfar Menahem liegt nur ungefähr 40 km von der Grenze nach Gaza entfernt.“

Charlotte Mayenberger
Charlotte Mayenberger (Bild: MK)

Durch telefonische Kontakte weiß Mayenberger aktuell zu berichten, dass die dortigen Familien derzeit viel Zeit in ihren Schutzräumen verbringen. „Auch wenn die Raketen andere Ziele haben und über sie hinwegfliegen, ist es für unsere Freunde dort eine unruhige Zeit. Die Sirenen heulen immer wieder, es folgt Alarm auf Alarm“ so Mayenberger. Deshalb beschreibt sie auch ihre Stimmung: „Meine Gedanken sind derzeit bei den vielen Bekannten in Israel.“

Die Familie Strassburger bei einem Besuch in Bad Buchau
Die Familie Strassburger bei einem Besuch in Bad Buchau (Bild: PR)

Beeindruckt haben Sie bei einem privaten Besuch die Vorkehrungen, die jüdische Familien für den Fall von kriegerischen Auseinandersetzungen getroffen haben: „Damals wohnte ich mit meiner Tochter in Karmiyya. Andere Reisebegleiter waren Gast bei Familien in Jad Mordechai. Die beiden Orte liegen unterhalb von Askalon, ganz nahe der Grenze zu Gaza. Gleich beim Eintreffen wurde uns ein Zimmer gezeigt, in das wir uns im Falle eines Alarms, begeben sollten. Dieses Zimmer war als Schutzraum gebaut, dort lagerten auch Vorräte. Jedes Haus ist mit einem solchen, besonders stabil gebautem „Zimmer“ (Stahlbeton) ausgestattet. Es bietet Schutz und ist mit allem Notwendigen ausgestattet, um sich bei Angriffen versorgen zu können.

Beim Gang durch den Ort entdeckten wir auch viele kleine Schutzbunker an der Straße. Wer es im Alarmierungsfall nicht nach Hause schafft, kann dort Unterschlupf finden. Es liegen dort sogar Matratzen aus.“ Bei einem Besuch in Jad Mordechai sah Mayenberger auch einen Kindergarten, der durch ein stark befestigtes Dach vor möglichen Angriffen geschützt wird.

Kindergarten in Jad Mordechai
Kindergarten in Jad Mordechai (Bild: PR)

Auch Bad Buchaus Bürgermeister ist besorgt: „Ja, natürlich beunruhigen auch mich die Meldungen aus Israel. Ich stehe auch nach wie vor in regelmäßigem Kontakt mit meinen langjährigen Freunden. Da diese nicht in Tel Aviv oder nahe Gaza, sondern eher auf dem Lande wohnen, sind sie nicht direkt betroffen.“ Er kann die Situation dort sehr gut einschätzen. Diesch konnte hautnah verfolgen, dass es in den letzten 40 Jahren immer wieder Hochs und Tiefs im Außen- und Innenverhältnis von Israel gab.

„Ich erinnere an die zwei Intifadas, während denen der Israel-Tourismus nahezu zum Erliegen kam. Israel hat sich als Reiseziel bis zur Corona-Pandemie sehr gut entwickelt und war auf einem guten Weg. Corona hat das Land zwar sehr getroffen, aber als ‚Impfweltmeister‘ hat Israel die Pandemie nahezu überwunden. Ausgerechnet jetzt eskaliert offenbar der Konflikt zwischen Hamas und Israel. Ich befürchte, dass dies die Reisen nach Israel wieder einbrechen lässt“, vermutet Diesch. Er bedauert dies, denn er war dabei, für diesen Herbst die nächste Israel-Reise vorzubereiten. Noch schwerwiegender für ihn ist, dass inzwischen gute Kontakte zu einer Gemeinde in Galiläa bestehen, die ein starkes Interesse an einer Städtepartnerschaft mit Bad Buchau hat. „Das wirft uns nun sicher etwas zurück“ meint Diesch.

Peter Diesch
Peter Diesch (Bild: PR)

Diesch pflegt seit fast 40 Jahren intensive Kontakte nach Israel, einerseits aufgrund seiner früheren beruflichen Vergangenheit, aber auch aufgrund seiner emotionalen Verbundenheit, die mit seiner Heimatstadt zu tun hat. „In meinen nunmehr 28 Reisen nach Israel, konnte ich auch immer wieder ehemalige Buchauer Juden und deren Nachfahren kennenlernen – manche eher zufällig, andere wieder gezielt“, so Diesch.

Mayenberger wurde 2016 eine hohe Ehre zuteil. Für ihre über 30 Jahre währende, akribische Recherche zur Geschichte der Juden in Bad Buchau, erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Die antisemitischen Protestkundgebungen und der teilweise verbundene Hass haben Sie stark belastet. „Ich schaue vorsichtshalber immer wieder nach unserem Gedenkraum, ob alles in Ordnung ist“, bringt sie ihre Besorgnis über die sich verändernde Stimmungslage zum Ausdruck.