„Ich bin sehr guter Hoffnung, dass wir bei einem Saisonstart im Dezember mit dabei sind“

„Ich bin sehr guter Hoffnung, dass wir bei einem Saisonstart im Dezember mit dabei sind“
Interview mit den Schwenninger Wild Wings. (Bild: soerli)
WOCHENBLATT
Redaktion

Nachdem der Saisonstart in der Deutschen-Eishockey-Liga (DEL) abermals verschoben worden ist, äußert sich Christoph Sandner, Geschäftsführer der Schwenninger Wild Wings, auch gegenüber der Sportredaktion von „Wochenblatt News“ wie folgt zum weiteren Vorgehen in den kommenden Tagen und Wochen.

Herr Sandner, warum hat es keine Alternative zur Entscheidung von Freitag gegeben?

Aufgrund der fehlenden finanziellen Grundlage sind vergangenen Freitag zu wenige Clubs in der Lage gewesen, einem Spielbeginn noch im November zuzustimmen. Alle DEL-Standorte leiden zu sehr unter den von den Behörden vorgegebenen Zuschauerbeschränkungen sowie keiner verbindlichen Zusage bezüglich den maximal versprochenen 800.000 Euro Fördermitteln pro Club aus dem Corona-Hilfspaket „Profisport“. Es ist immer noch nicht abschließend geklärt, ab und in welcher Höhe die Mittel zur Verfügung stehen. Damit ist den meisten Clubs das Risiko zu hoch, im Laufe der Saison in die Zahlungsunfähigkeit zu geraten.

Teile der Öffentlichkeit sind enttäuscht und werfen der Liga Planlosigkeit vor?

Die Enttäuschung der Fans verstehe ich zu 100 Prozent. Allerdings muss ich den Vorwürfen vehement widersprechen. Sowohl die Ligagesellschaft – als auch die DEL-Clubs mit ihren Mitarbeitern, Gesellschaftern und Partnern – versuchen seit Monaten Lösungen zu erarbeiten. Fakt ist: Wir leben nach wie vor in einer weltweiten Pandemie mit deren extremen Auswirkungen, unter anderem auf den Profisport, niemand rechnen konnte. Das muss man sich immer vor Augen halten. Es gibt unter den jetzigen Voraussetzungen leider nur für sehr wenige Sportarten die Möglichkeit, aufgrund ausreichender TV- oder Sponsoreneinahmen ihren Spielbetrieb kurz- und mittelfristig zu sichern. Es wäre planlos und unverantwortlich, ohne ausreichende finanzielle Absicherung blindlings in eine Saison zu starten.

Was wurde denn bislang konkret unternommen?

Wir haben in alle Richtungen gedacht. Die Planungen werden jedoch immer wieder zurückgeworfen, da die sich ständig ändernden Verordnungen viele Ansätze ad acta legen. Wir stehen in engem und sehr gutem Austausch mit den lokalen Behörden und Politikern – aber auch diese sind an die Landesverordnungen gebunden. Die föderalistische Diskrepanz innerhalb der Länder ist für die Gesamtplanungen der Liga ein großes Problem. Jeder Standort arbeitet auf der Basis von teils massiv unterschiedlichen Grundlagen.

Folgerichtig werden reaktive Lösungen diskutiert wie die Verkleinerung des Kaders?

Etliche DEL-Clubs hatten bereits mit Ausbruch der Pandemie im März ihren kompletten Kader für die Saison 2020/21 unter Vertrag und konnten nicht mehr reagieren. Andere Clubs, wie auch wir, haben mit den nachverpflichteten Spielern Vereinbarungen getroffen, dass eine Aktivierung der Verträge erst mit dem Saisonstart erfolgt. Außerdem gibt es im Gesamtkonstrukt viele bestehende Verträge, die nicht von heute auf morgen über Bord geworfen werden können.

Wie stehen Sie zur Kritik seitens Moritz Müller von der SVE?

Als Gründungsmitglied der ersten Spielervereinigung im Jahre 1992 und als ehemaliger DEL-Spieler, kann ich die Wünsche und Ängste der Spieler sehr gut nachvollziehen und unterstütze die neu gegründete SVE. Allerdings bringt dieser erneute Rundumschlag von Moritz Müller zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich niemanden weiter. Es gab in den vergangenen Wochen einen guten und regelmäßigen Austausch zwischen dem Geschäftsführer der SVE, Alexander Sulzer, und der DEL. Über etwaige Versäumnisse in der Vergangenheit oder eine gemeinsame neue Ausrichtung zu diskutieren, gibt es sicherlich einen besseren Zeitpunkt als jetzt. Nun ist es wichtig in der Eishockey-Familie zusammenzuhalten und die Corona-Krise gemeinsam zu überstehen.

Wie sieht es bei Ihnen in Schwenningen konkret mit einem Spielbetrieb aus?

Ich bin sehr guter Hoffnung, dass wir bei einem Saisonstart im Dezember mit dabei sind, da wir gerade in den vorigen Wochen und Tagen einen extremen Rückhalt von unseren Fans und Sponsoren, der Kommunalpolitik sowie vor allem von unseren Gesellschaftern erhalten haben. Dies unter der Voraussetzung, dass wir das Corona-Hilfspaket „Profisport“ und zumindest eine Zuschauerauslastung von mindestens 20 Prozent erhalten. Das ist ein wichtiges Signal für unseren Standort und den Saisonstart, allerdings werden wir nicht ausscheren und uns definitiv weiter solidarisch zu den anderen DEL-Clubs zeigen.

Was können Sie den Eishockey-Fans abschließend mit auf den Weg geben?

Auf der einen Seite werden wir weiterhin ganz sachlich und inhaltlich mit der Politik weiterarbeiten. Es gilt, die Stadt und die lokalen Behörden von unseren Ideen zu überzeugen. Auf der anderen Seite werden wir aber auch alles daransetzen, die gesellschaftliche Bedeutung des Eishockeysports auf eine emotionale Art und Weise in den Vordergrund zu rücken. Dazu brauchen wir alle Partner, Fans, Sponsoren und die Politik. In Schwenningen ist der Eishockeysport zu Hause und das werden wir so auch weiterhin deutlich kommunizieren.