„In Stein gemeißelt!?“ Historisches Projekt zum Schneckenburger-Denkmal im Oktober

Historisches Projekt zum Schneckenburger-Denkmal im Oktober
Bevor das echte Denkmal gefertigt wurde, sollte ein stark vereinfachtes Modell die Proportionen verdeutlichen. (Bild: Stadt Tuttlingen)
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Redaktion

Wie kann ein kritischer und angemessener Umgang mit dem Schneckenburger-Denkmal im Stadtgarten aussehen? Diese Frage geht die Stadt Tuttlingen mit einem historischen Projekt unter dem Titel „In Stein gemeißelt!?“ nach. Neben einer Ausstellung gibt es eine Vortragsreihe und einen Bürgerworkshop.

Seit 1940 steht es an seinem Platz, und die Informationen auf der kleinen Tafel an der Seite des Reiterdenkmals sind nur spärlich: Man erfährt den Namen des Künstlers Fritz von Graevenitz, das Entstehungsjahr 1937 und die Tatsache, dass es dem Dichter Max Schneckenburger gewidmet ist, der nach seinem Tod durch das Lied „Die Wacht am Rhein“ berühmt wurde. Im Jahr 2022 werfen diese Daten Fragen auf – vor allem auch die nach dem NS-Bezug des Denkmals.

Unter der Überschrift „In Stein gemeißelt!?“ will die Stadt Tuttlingen diese Fragen jetzt beantworten. „Wer Ideen für die Ewigkeit erhalten möchte, meißelt sie in Stein“, heißt es im Einladungstext zur Ausstellung, „als Denkmal oder Gedenktafel überdauern sie Generationen – und sind auch dann noch präsent, wenn sich Denkweisen und Werte gewandelt haben.“ Wie aber könne man mit diesen in Stein gemeißelten Zeitzeugnissen umgehen, die aus heutiger Sicht fragwürdig geworden sind?

Die wichtigsten Informationen zum Denkmal werden in einer Ausstellung aufbereitet, die unter dem Titel „In Stein gemeißelt!?“ vom 6. Oktober bis 11. November im Rathausfoyer gezeigt wird. Die Ausstellung geht zum einen auf die Biographie Max Schneckenburgers und sein Gedicht ein, erläutert die Geschichte des Denkmals selber und befasst sich mit dem Künstler Fritz von Graevenitz und seiner Rolle während der NS-Zeit. Gezeigt werden außerdem Fotos, Dokumente und auch historische Modelle aus dem Denkmalswettbewerb 1937.

Ab 1892 stand eine gusseiserne Germania-Statue im Stadtgarten. Sie wurde 1918 eingeschmolzen. (Bild: Stadt Tuttlingen)
Ab 1892 stand eine gusseiserne Germania-Statue im Stadtgarten. Sie wurde 1918 eingeschmolzen. (Bild: Stadt Tuttlingen)

Begleitend zur Ausstellung gibt es drei Vorträge, die jeweils um 18 Uhr im Rathausfoyer stattfinden:

  • Julia Müller, Leiterin des Stuttgarter Fritz von Graevenitz-Museums, spricht am Donnerstag, 6. Oktober, über Leben und Werk des Künstlers und seine Rolle während der NS-Zeit.
  • Wolfgang Brauneis, Kurator der 2021 in Berlin gezeigten Ausstellung „Die Liste der Gottbegnadeten“, erläutert am Donnerstag, 13. Oktober, die Rolle der Bildenden Kunst in der NS-Diktatur und den Umgang mit NS-Kunst nach 1945.
  • Volkhard Knigge, ehemaliger Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, spricht am Donnerstag, 20. Oktober, unter dem Titel „Der Schoß ist fruchtbar noch – Künstlerische Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und rechter Gewalt“ über die Bedeutung einer aktiven Erinnerungskultur für unsere Gesellschaft.

Sowohl die Ausstellung als auch die Vorträge sollen die Grundlagen für eine öffentliche Diskussion mit der Bürgerschaft sein. Diese wird dazu am Freitag, 21. Oktober, ab 15 Uhr zu einem Workshop ins Rathausfoyer eingeladen.

Dabei geht es um die Frage, wie ein künftiger Umgang mit dem Schneckenburger-Denkmal aussehen kann. Beim Workshop sollen mögliche Ansätze angerissen und ergebnisoffen diskutiert werden. Die Ergebnisse des Workshops sollen in einen Vorschlag für den Gemeinderat einfließen.

Beim Workshop sind dann ausdrücklich geschichtsinteressierte Bürger*innen, Vereine und besonders auch Schulen eingeladen, Anstöße und Ideen einzubringen – gerne auch in Form einer kurzen Präsentation. Nähere Informationen hierzu gibt es bei Stadtarchivar Alexander Röhm (alexander.roehm@tuttlingen.de, 07461/99-234).

(Pressemitteilung: Stadt Tuttlingen)