Heimische Landwirtschaft krisenfest machen

Heimische Landwirtschaft krisenfest machen
Die Landwirtschaft in Baden-Württemberg steht vor großen Herausforderungen. (Bild: Landesbauernverband Baden-Württemberg)
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Redaktion

Präsident Joachim Rukwied fordert Rückendeckung aus der Politik

Stuttgart – Der Ukrainekrieg hat die Leistungen der Landwirtschaft zur Ernährungssicherung wieder in den Fokus gerückt. Gleichzeitig haben die baden-württembergischen Familienbetriebe massiv mit den Auswirkungen des Krieges zu kämpfen. „Ohne die heimische Landwirtschaft wird sich die durch den Ukrainekrieg ausgelöste Versorgungskrise in einigen Regionen der Welt weiter zuspitzen.

Wir baden-württembergischen Bauern können, wollen und müssen unseren Beitrag dazu leisten, diese Krise zu überwinden“, erklärt Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes (LBV), auf der LBV-Mitgliederversammlung am 22. Juni 2022 in der Schwabenlandhalle Fellbach. „Wie in vielen Wirtschaftsbereichen sind auch die Produktionskosten in der Landwirtschaft in die Höhe geschnellt. Vor allem die Schweinehaltung im Land ist existenziell bedroht. Hier sehen wir dringend Handlungsbedarf.“

Die Landwirtschaft in Baden-Württemberg steht vor sehr großen Herausforderungen. Der agrarpolitische Handlungsbedarf zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft ist umfangreicher und wichtiger denn je. „Damit die Bauernfamilien im Land eine Zukunftsperspektive haben, brauchen wir die richtigen politischen Weichenstellungen. Dabei sind Planungssicherheit und der Erhalt leistungsfähiger Betriebsstrukturen besonders entscheidend“, sagt Rukwied.

„Diese sind aber stark gefährdet. Die Produktionskosten für unsere Betriebe sind massiv angestiegen und der regionale Lebensmittelabsatz ist aufgrund der Billigkonkurrenz aus Teilen Europas eingebrochen.“

Schweinehaltung vor dem Aus – Strukturbruch hält weiter an

Der Strukturbruch der vergangenen Jahre geht unvermindert weiter. Das Statistische Landesamt hat im Juni die aktuellen Zahlen zur Schweinehaltung im Land veröffentlicht. „In Baden-Württemberg haben weitere 200 Schweinebetriebe innerhalb eines Jahres aufgegeben, das sind fast zehn Prozent der schweinehaltenden Betriebe insgesamt.

Der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch ist auf 45 Prozent abgesackt. Die Zukunft eines einst starken und traditionellen Betriebszweiges ist in höchstem Maße gefährdet,“ erklärt der Bauernpräsident. „Unsere Tierhalter brauchen endlich ein klares Bekenntnis aller Marktbeteiligten in der Kette zur regionalen Erzeugung und schnelle politische Entscheidungen, die Zukunftsperspektiven erkennen lassen.“

Deshalb fordert Rukwied wiederholt eindringlich die Politik auf, beim Umbau der Tierhaltung nun Tempo zu machen. „Unsere Schweinehalter müssen jetzt zügig wissen, wie es weitergeht. Dafür brauchen wir die Einführung einer Herkunftskennzeichnung, eine stabile Finanzierung des Umbaus und gleichzeitig Erleichterungen im Bau- und Genehmigungsrecht.“

Landwirtschaft als Schlüssel globaler Herausforderungen

„Eine nachhaltige und leistungsfähige Landwirtschaft ist ein zentraler Schlüssel zur Lösung wichtiger globaler Herausforderungen unserer Zeit. Nur gemeinsam mit der Landwirtschaft kann die Nahrungsmittel-, Energie- und Rohstoffversorgung gesichert, der Klimawandel bekämpft und die Umwelt geschützt werden“, ist sich Rukwied sicher.

„Deshalb müssen auch die Farm to Fork-Strategie, der Green Deal und die Regeln zur GAP-Förderung ab 2023 im Sinne der Ernährungssicherung überprüft und nachjustiert werden.“

Hohe Erwartungen an Gesellschaftsvertrag

Die baden-württembergischen Bauern wollen sich bei dem angekündigten Gesellschaftsvertrag konstruktiv einbringen und setzen hohe Erwartungen daran. „Wir sind bereit, trotz zahlreicher Herausforderungen an uns, diesen baden-württembergischen Weg im Strategiedialog zur Zukunft der Landwirtschaft gemeinsam mit der Landesregierung zu gehen. Wir erwarten ein klares gesellschaftliches und politisches Bekenntnis zu unserer Landwirtschaft und zur heimischen Lebensmittelerzeugung.“

(Pressemitteilung: Landesbauernverband in Baden-Württemberg e. V.)