Handwerkskammer Ulm fordert weiteren Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum

Handwerkskammer Ulm fordert weiteren Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum
Für den Ausbau der Infrastruktur speziell im ländlichen Raum spricht sich die Handwerkskammer Ulm aus. (Bild: pixabay)
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Redaktion

Ulm – Schwung für den ÖPNV muss in allen Regionen langfristig verstetigt werden, sonst bleibt das 9-Euro-Ticket ein Strohfeuer

Bus und Bahn statt Auto: Viele Menschen nutzen seit Beginn des Monats das 9-Euro-Ticket. Noch bis Ende August können auch Handwerkerinnen und Handwerker sowie Azubis den öffentlichen Personennahverkehr zum deutlich reduzierten Preis nutzen. Wer aufgrund der gestiegenen Benzinpreise darüber nachdenkt, das Auto stehen zu lassen, tut sich gerade in den ländlicheren Regionen zwischen Ostalb und Bodensee schwer.

Denn oftmals gibt es keine direkten Verbindungen zum Arbeitsplatz oder der Bus fährt nur sporadisch. Hier braucht es ein merklich attraktiveres Nahverkehrsnetz mit besserer Taktung und flexibler gestalteter Anbindung. Dafür setzt sich die Handwerkskammer schon länger ein. Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm: „Das 9-Euro-Ticket ist ein guter Auftakt.

Aber es ist auf die Interessen und die Lebenssituation der Stadtbevölkerung ausgelegt. Dort hilft es, weil es bereits die nötige Infrastruktur gibt. Die Menschen in ländlicheren Gebieten profitieren dagegen kaum. Was hilft der günstige Fahrschein, wenn kein Bus fährt?“

Nicht nur aufgrund der gestiegenen Energiepreise gilt es den öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum langfristig zu begünstigen, auszubauen und so zukunftsfest zu machen. Sind Menschen mobil, kommen sie leichter zu ihrem Handwerks- und Ausbildungsbetrieb. Qualifizierte Fachkräfte werden auch in kleineren Städten und Gemeinden gebraucht, um Kundenaufträge vor Ort abzuarbeiten. Sie benötigen attraktive Angebote, um günstig zur Arbeit und Ausbildungsstelle zu kommen und ihren Beitrag zur Energie- und Klimawende leisten zu können.

So werden ländliche Regionen bei der Versorgung nicht abgehängt. Auch für Jugendliche, die darüber nachdenken eine Ausbildung zu beginnen, spielt die Anbindung von Betriebs- und Wohnort eine Rolle. Die Handwerkskammer Ulm hat sich deshalb auch für das flächendeckende, landesweite 365-Euro-Ticket für Azubis stark gemacht, das im September 2022 starten soll. „Wir bauen darauf, dass dieses Ticket in allen Landkreisen umgesetzt wird und kommt. Regionalen Netzen darf jetzt nicht das Geld entzogen werden. Viel wichtiger ist es, dass die Infrastruktur und das Angebot gerade in ländlichen Regionen jetzt ausgebaut werden. Wenn uns das nicht gelingt, bleibt das 9-Euro-Ticket ein Strohfeuer“, ergänzt Mehlich.

Die Verkehrspolitik müsse die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen außerhalb der Ballungsräume stärker berücksichtigen. Das 9-Euro-Ticket ist ein einschneidender Schritt und guter Einstieg, um das Problem zu benennen. Langfristig ist es aber zu wenig und ungeeignet, um eine bessere Nutzung des ÖPNV insbesondere in ländlichen Regionen zu fördern.

(Pressemitteilung: Handwerkskammer Ulm)