Handwerksbetriebe suchen trotz getrübter Stimmung frische Arbeitskräfte

Handwerksbetriebe suchen trotz getrübter Stimmung frische Arbeitskräfte
Die Stimmung in den Handwerksbetrieben von Ostalb bis Bodensee ist gut. (Bild: Pixabay)
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Redaktion

Ulm – Die Stimmung in den Handwerksbetrieben zwischen Ostalb und Bodensee bleibt im dritten Quartal 2021 – laut Pressemitteilung der Ulmer Handwerkskammer – positiv: Zwei von drei Handwerksbetrieben beschreiben in der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer ihre Geschäftslage als gut.

Insbesondere das Ausbauhandwerk und das Bauhauptgewerbe seien zufrieden. Aber auch das Nahrungsmittelhandwerk habe sich zunehmend von den Einschränkungen der Corona-Pandemie erholt. Von einem schlechten Geschäftsverlauf für das dritte Quartal 2021 sprechen knapp sieben Prozent.

Zum Vergleich: Im Vorjahr waren 56 Prozent mit ihrer Geschäftslage zufrieden und jeder fünfte unzufrieden. „Die Erwartung der Betriebe bleibt für das Jahresende 2021 weiter optimistisch“, betont Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.

Von einer Verbesserung der Geschäftslage gehen aktuell etwa 28 Prozent (Vorjahr: 23 Prozent) der Befragten aus. Mit Sorgen schaut jeder zehnte der befragten Betriebe in die Zukunft (Vorjahr: zwölf Prozent).

Das regionale Handwerk arbeitet wieder wie gewohnt – lediglich die Materialknappheit stellt die Handwerker / innen vor Herausforderungen: Rund 82 Prozent der Befragten bemerken deutliche Preissteigerungen. Besonders betroffen ist – so die Handwerkskammer weiter – das Ausbauhandwerk (96 Prozent).

Dazu gehören etwa Elektro- und SHK-Handwerke, das Bauhauptgewerbe (85 Prozent), mit Hoch- und Tiefbau und dem Handwerk für den gewerblichen Bedarf (87 Prozent) sowie Metallbauer und Feinwerkmechaniker. „Wir müssen es deutlich sagen: Wenn sich die Arbeiten des Handwerks verteuern, dann liegt das nicht am Handwerker, sondern an vorgelagerter und durch die Krise verknappter industrieller Produktion“, stellt Mehlich klar.

Auftragslage verbessert sich

Die Auftragsentwicklung der regionalen Handwerksbetriebe im dritten Quartal 2021 zeigt sich indessen positiv. Über vollere Auftragsbücher freuen sich rund 37 Prozent der Betriebe (Vorjahr: 34 Prozent). 15 Prozent der Befragten (Vorjahr: 17 Prozent) melden Auftragsrückgänge.

Damit ist die Auftragslage der Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee erneut besser als der Durchschnitt in Baden-Württemberg. 31 Prozent verzeichnen im Landesschnitt ein Plus, 19 Prozent ein Minus. Der Auftragslage sehen die regionalen Betriebe in den kommenden Wochen und Monaten zuversichtlich entgegen.

Ein höheres Auftragsaufkommen würden demnach rund 40 Prozent der Befragten (Vorjahr: 26 Prozent) erwarten. Knapp 14 Prozent (Vorjahr: 20 Prozent) der Betriebe gehen dagegen von geringeren Auftragseingängen aus.

Fachkräfte sollen Aufträge abarbeiten

Die Auslastung in den regionalen Handwerksbetrieben hat im dritten Quartal weiter zugelegt. Über 60 Prozent der Betriebe seien in den Monaten Juli, August und September voll ausgelastet oder hätten über ihren Kapazitäten gearbeitet (16 Prozent). Lediglich neun Prozent haben noch hohe Reserven – im zweiten Quartal waren es noch knapp 17 Prozent.

Die Beschäftigungszahl sei im regionalen Handwerk auch im dritten Quartal noch einmal angestiegen. So hätten rund 17 Prozent der Befragten in den vergangenen drei Monaten mehr Personal eingestellt, während knapp 12 Prozent von einem Personalrückgang berichteten.

„Handwerk wächst auch in schwierigen Zeiten bei Beschäftigung und Ausbildung und wir brauchen noch mehr gut ausgebildete Fachkräfte. Das ist ein starkes Zeichen, aber für die Betriebe schwierig“, weiß Mehlich. Qualifizierte Fachkräfte seien in den regionalen Handwerksbetrieben willkommen.

Auch in den kommenden Monaten möchten die Betriebe weiterhin Personal einstellen. Rund 18 Prozent planen neue Arbeitsplätze zu schaffen, während knapp fünf Prozent damit rechnen, dass sich ihre Belegschaft verkleinern wird. Die Auswertung zeigt, dass das Handwerk auch in der kalten Jahreszeit als sicherer und einstellungswilliger Arbeitgeber auftreten wird.

Konjunktursituation im Bodenseekreis

Im Bodenseekreis beurteilen zwei von drei der befragten Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut (Vorjahr: 65 Prozent). Knapp jeder dritte Handwerksbetrieb schaut positiv auf die kommenden Wochen und Monate. Mit Sorge blicken dagegen rund sieben Prozent in die Zukunft.

Mehr als 59 Prozent (Vorjahr: 48 Prozent) der Betriebe im Bodenseekreis haben eine Auslastung von 80 Prozent oder höher. Ihre Mitarbeitenden wollen rund 81 Prozent der Betriebe halten, etwa 17 Prozent möchte neue Fachkräfte einstellen. Ein gutes Zeichen für junge Menschen, die in ihre Karriere starten möchten.

„Jugendliche, die von einem Handwerk fasziniert sind, finden in unserer Region einen Ausbildungsplatz – und zwar in nahezu jedem Gewerk. Über Praktika ermöglichen es unsere Handwerksbetriebe, Berufe besser kennenzulernen und herauszufinden, ob eine Ausbildung passt“, teilt Wolfgang Künze, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis, mit.