Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“ definiert Miet-Limit und fordert altersgerechtes Sanieren

Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“ definiert Miet-Limit und fordert altersgerechtes Sanieren
Der Mangel an Wohnungen für Ältere wird in den kommenden Jahren steigen. (Bild: Ferdinand Paul)
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Redaktion

Kreis Ravensburg (wb) – Im Alter droht Mietern eine doppelte Hürde: Oft reicht heutzutage die Rente nicht, um die Miete zu bezahlen. Zusätzlich sind die wenigsten Wohnungen im Landkreis Ravensburg seniorengerecht. Häufig wird dann schon ein Rollator zum Problem. Darauf hat nun das Pestel-Institut (Hannover) hingewiesen und eine entsprechende Mitteilung veröffentlicht.

Dessen Leiter spricht von einem „Doppelschock für Mieter“, die älter werden: „Genug Geld fürs Wohnen und eine altersgerechte Wohnung – das sind die beiden Punkte, an die jeder Mieter schon frühzeitig denken sollte“, sagt Matthias Günther. Um Mieter möglichst effektiv vor einem „Miet-Reinfall“ zu schützen, hat sich der Leiter des Pestel-Instituts für die Schaffung des ersten bundesweiten Mieter-Gütesiegels stark gemacht: „Mein Fair-Mieter“ ist ein Label, das nur Vermieter bekommen, die strikte Kriterien einhalten.

Allen voran eine – auch im Alter für viele Menschen noch – bezahlbare Miete: „Für den Landkreis Ravensburg bedeutet dies konkret, dass die durchschnittliche Nettokaltmiete fairer Vermieter in Ravensburg und Weingarten 8,00 Euro, in Bad Waldsee, Isny im Allgäu und Wangen im Allgäu 7,00 Euro pro Quadratmeter im Monat betragen darf. In Bad Wurzach liegt die Obergrenze bei 6,00 Euro und in allen übrigen Kommunen bei 6,50 Euro.“ Wer als Vermieter darüber liege, habe keine Chance, das „Fair-Mieter“-Siegel zu bekommen.

„Überwiegend sind es öffentliche Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsgenossenschaften, die das Label nutzen, um ihren Mietern zu zeigen, dass nicht der Profit, sondern sozial kalkulierte Mieten und ein guter Standard bei der Wohnqualität im Fokus der praktizierten Wohnungswirtschaft stehen“, so Matthias Günther.

Ein Aspekt, der bei der Vermieter-Prüfung im Zuge der Label-Vergabe eine Rolle spiele, sei die Zahl der Wohnungen, die keine oder möglichst wenige Barrieren haben. Davon gebe es im Landkreis Ravensburg maximal 3.200, schätzt das Pestel-Institut. „Doch nur in rund der Hälfte der Seniorenwohnungen leben tatsächlich auch ältere Menschen.“

Bei den Seniorenwohnungen treffe allerdings ein geringes Angebot auf einen hohen Bedarf: „Aktuell ist für den Landkreis Ravensburg von rund 8.800 Haushalten auszugehen, in denen Senioren leben, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Da nur rund 1.600 von ihnen heute schon in einer Seniorenwohnung leben, fehlen im Landkreis Ravensburg aktuell rund 7.200 Seniorenwohnungen“, rechnet Matthias Günther vor.

Dabei werde der Mangel an Wohnungen für Ältere in den kommenden Jahren steigen: Der Jahrgang 1965 wird 2035 das 70. Lebensjahr erreichen. Dann wird es im Landkreis Ravensburg nach Berechnungen des Pestel-Instituts bereits 11.900 Haushalte geben, in denen Ältere mit eingeschränkter Mobilität leben – ein Plus von 35 Prozent. Auch deshalb dränge er, so Günther, als Vorstand des Gütesiegels „Mein Fair-Mieter“ darauf, im Zuge von Sanierungen möglichst immer auch einen Teil der Wohnungen seniorengerecht umzubauen.

Mehr zum Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“: www.meinfairmieter.de