Großrazzia: Entschlüsselte Chatdaten führten zu Verhaftung

Großrazzia: Entschlüsselte Chatdaten führten zu Verhaftung
Polizisten gehen bei einer Razzia mit einem Hund in ein Haus. (Christophe Gateau/dpa)
WOCHENBLATT
Redaktion

Berlin (dpa) – Die Verhaftung von zwei Verdächtigen bei einer Großrazzia in Berlin und Brandenburg am Donnerstag geht nach Angaben der Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt auf entschlüsselte Daten des Kurznachrichtendienstes EncroChat zurück. «Beide Verhaftungen beruhten auf EncroChat», sagte Oberstaatsanwalt Thorsten Cloidt am Donnerstag.

Laut Staatsanwaltschaft waren Datensätze, die von französischen Behörden über das Bundeskriminalamt nach Berlin gekommen seien, entscheidend, um Ermittlungen wegen Drogenhandels und Handels mit Maschinenpistolen gegen die Männer im Alter von 44 und 22 Jahren aufzubauen. Aus den EncroChat-Daten habe sich ein dringender Verdacht ergeben, der in die Haftbefehle mündete, hieß es.

EncroChat wurde vor allem von Kriminellen genutzt. Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich gelang es im Vorjahr, mehr als 20 Millionen geheimer Nachrichten abzuschöpfen, wie die europäische Justizbehörde Eurojust im Juli 2020 mitteilte. 60 000 Teilnehmer hätten den aufwendig verschlüsselten Chatdienst genutzt.

Die Kriminellen fühlten sich bei ihrer Kommunikation sehr sicher, weil es hieß, die Technik sei nicht zu knacken. Das Eindringen in die technische Infrastruktur des Anbieters habe dann «Schockwellen durch organisierte Verbrecherbanden quer durch Europa» geschickt, hieß es damals von der Justiz.