Ehrennadel Große Ehre für Ernst Blickle, den ehemaligen Sonderschulrektor der Haslachmühle

Große Ehre für Ernst Blickle, den ehemaligen Sonderschulrektor der Haslachmühle
Der ehemalige Sonderschulrektor der Haslachmühle, Ernst Blickle, wurde von Harald Sievers, Landrat des Landkreises Ravensburg, mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. (Bild: Herbert Guth)
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Redaktion

Wilhelmsdorf (pr/le) – Der ehemalige Sonderschulrektor der Haslachmühle, Ernst Blickle (91) wurde von Landrat Harald Sievers mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

„Für jemanden, für den Beruf und Berufung einhergehen, verschwimmen die Grenzen zwischen haupt- und ehrenamtlichem Engagement. So auch bei Ihnen“, betonte Gottfried Heinzmann, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen, anlässlich der Verleihungsfeierlichkeit im Wilhelmsdorfer Rathaus.

Viel aufgebaut

Ernst Blickle war seit 1966 Schulleiter der Haslachmühle. Dort baute er die Abteilung für geistig behinderte Schüler mit Hör- und Sprachschädigung auf – gemeinsam mit der inzwischen verstorbenen Sonderschullehrerin Heidi Ziegler.

Gebärden die bessere Kommunikation

Damals sah die Gehörlosenpädagogik vor, Schüler in lausprachlicher Weise zu unterrichten. Das heißt, Schüler sollten die Lautsprache sowohl verstehen als auch sprechen. Bei Ernst Blickle und seinen Mitstreitern reifte schnell die Erkenntnis, dass dies die „Mühle-Schüler“ kognitiv überforderte. Stattdessen schienen Gebärden zur Kommunikation geeigneter zu sein.

Hatte ein Auge für vieles

„In den Gehörlosenschulen, in denen ich in den Jahren meiner Ausbildung gearbeitet hatte, konnte ich die ‚taubstummen‘Schüler in den unterrichtsfreien Zeiten, wie den Pausen, beobachten. Alle unterhielten sich mit Gebärden, obwohl das Gebärden eigentlich verboten war,“ erinnerte sich der 91-jährige Blickle in einem Interview.

Beginn der Gebärden

Bestätigt sah er sich durch eine von ihm initiierte wissenschaftliche Arbeit. Diese kam zu dem Schluss, dass die Schüler der Mühle-Schule nach kurzen Unterrichtseinheiten mit Gebärden Inhalte besser erfassen und sprachlich umsetzen können. Für die pädagogische Arbeit an der Haslachmühle war dies der Beginn mit Gebärden zu unterrichten. Diese wurden zum Teil gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt, Gebärden der Deutschen Gebärdensprache (DGS) vereinfacht und in einer Sammlung zusammengestellt.

„Schau doch meine Hände an“

1971 brachte die Haslachmühle die erste Ausgabe der Gebärdensammlung „Wenn man mit Händen und Füßen reden muss“ heraus. In der Folge wurden auch an anderen Schulen Gebärden entwickelt. Heute heißt die Gebärdensammlung der Haslachmühle „Schau doch meine Hände an“.