„Gewalt kommt nicht in die Tüte“

„Gewalt kommt nicht in die Tüte“
Wollen mit der Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ gemeinsam ein Zeichen setzen (von links): Angelika Drießen und Verena Uebel (beide IWC Bodensee), Joachim Hettler (Bäcker-Innung), Veronika Wäscher-Göggerle (Landratsamt Bodenseekreis) und Maria Stelwag (Webers Backstube) (Bild: KHS Bodenseekreis / Ulrich Stock)
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Redaktion

Bäcker-Innung, Frauenbeauftragte und Inner Wheel Club erinnern mit Bäckertüten-Aktion an den „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“.

Die Innungs-Bäckereien im Bodenseekreis verkaufen ab diesem Freitag (25. November) ihre Brötchen und Brezeln in ganz besonderen Tüten. Mit der deutlich sichtbaren Aufschrift in großen Lettern „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ wollen sie auch in diesem Jahr wieder auf den „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ aufmerksam machen. Die Bäckertüten-Aktion gibt es schon seit rund zehn Jahren – sie geht auf eine Initiative der Frauen- und Familienbeauftragten des Landratsamtes Bodenseekreis, Veronika Wäscher-Göggerle, zurück. Sie holte damals die Kreishandwerkerschaft mit der Bäcker-Innung sowie den Inner Wheel Club (IWC) Bodensee mit an Bord. Seitdem führen die drei Träger alljährlich diese Aktion durch.

Seit 1981 setzen weltweit Menschenrechtsorganisationen und Frauenrechtsbewegungen am 25. November ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung, Gewalt und Unterdrückung von Frauen und Mädchen. 1999 wurde dieser Gedenktag schließlich auch von der UNO zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ manifestiert. „Ziel der gemeinsamen Bäckertüten-Aktion ist es, auch im Bodenseekreis auf dieses Thema aufmerksam zu machen und damit ein deutliches Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen“, erklärt Wäscher-Göggerle.

Wie wichtig das ist, verdeutlicht die Frauenbeauftragte anhand von Zahlen: „Jede dritte Frau in Deutschland erlebt seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexualisierte Gewalt. Statistisch gesehen sind das mehr als 12 Millionen Frauen. Jeden Tag versucht ein Mann eine Frau zu töten. Jeden dritten Tag gelingt der Femizid.“

In einer Welt zunehmender Digitalisierung und der damit oft einhergehenden Anonymität würden derlei Missstände und Fehlentwicklungen oft gar nicht mehr registriert, unterstreicht Joachim Hettler in Vertretung der Bäcker-Innung. Daher lautet sein Appell: „Augen auf und aufeinander achten!“ Somit sei die Bäckertüten-Aktion auch eine gute Möglichkeit, bei den Kunden und generell innerhalb der Gesellschaft die Aufmerksamkeit auf das Thema „Gewalt gegen Frauen“ zu lenken.

Dass sich auch der IWC Bodensee dieses wichtigen Frauenthemas annimmt, sei eine der drei Säulen des Service-Clubs, nämlich dem „sozialen Engagement“, geschuldet, betont dessen Präsidentin Verena Uebel. Die Botschaft müsse sein: „Ich toleriere keine Gewalt!“ Für die diesjährige Aktion seien insgesamt 50 000 Bäckertüten aufgelegt worden, berichtet Angelika Drießen, Vorsitzende des Fördervereins des IWC Bodensee. Neben dem auffälligen Slogan ist auf der Rückseite der Tüte auch die Hotline des bundesweiten Hilfetelefons aufgedruckt, das Unterstützung bei drohender oder erlebter häuslicher Gewalt anbietet. Unter Tel. 08000 116 016 können sich Hilfesuchende anonym, kostenfrei und rund um die Uhr beraten lassen.

Maria Stelwag, Geschäftsführerin der Webers Backstube & Caféhaus GmbH, unterstützt die Aktion schon seit Jahren – sie spricht von einem „erfolgreichen Projekt“. Sie ist davon überzeugt, dass die Bäckertüten bei vielen Kundinnen und Kunden „die Aufmerksamkeit für dieses Thema wecken“. Tatsächlich werde nicht selten an der Verkaufstheke gefragt: „Habt ihr neue Tüten?“