Fühldecken für Menschen mit Demenz

Fühldecken für Menschen mit Demenz
Bunte Unikate aus Reststoffen: Fühldecken aus dem Liebenauer Nähwerk für Menschen mit Demenz. (Bild: Stiftung Liebenau)
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Redaktion

Meckenbeuren-Liebenau/Wolfegg (pr/le) – In Zusammenarbeit mit dem Domizil für Menschen mit Demenz in Wolfegg hat das Liebenauer Nähwerk Fühldecken entwickelt. Diese können Demenzkranken und Menschen mit Unruhezuständen dabei helfen, zur Ruhe zu kommen, bieten haptische und visuelle Anreize und können die Konzentrationsfähigkeit unterstützen.

Ein Prototyp aus Restmaterialien

Durch Zufall ist Claudia Graßmann, Assistenz der Unternehmensleitung bei der Liebenau Service auf einen Artikel zum Thema Fühldecken für Menschen mit Demenz gestoßen und schon war die Idee geboren. „Aus Restmaterialien haben wir einen Prototyp entwickelt und sind damit auf Alexandra Büchler zugegangen.“ Die Leiterin des Domizils für Menschen mit Demenz in Wolfegg sah darin einen Anreiz, die therapeutischen Möglichkeiten einer Fühldecke zu prüfen. Die Reaktionen der Bewohner reichte dabei von direkter Ablehnung, über kurzfristiges Interesse bis hin zum Wunsch, sich gezielt damit zu beschäftigten.

Visuelle und haptische Anreize

An folgende Situation erinnert sich Alexandra Büchler besonders gerne: „Vor kurzem befand sich eine Bewohnerin aufgrund einer Corona-Infektion in Zimmerisolation. Nachdem es ihr etwas besser ging, hatten wir den Eindruck, dass sie sehr vereinsamt und ihr visuelle Anreize fehlten. Eine Mitarbeiterin brachte ihr eine Fühldecke ins Zimmer und legte ihr diese auf den Schoß. Durch die schöne gelbe Farbe, den weichen Stoff und das Küken-Muster war eine Ablenkung möglich.“

Farbe, Muster und Material sollen Erinnerungen wecken

Während der Test-Wochen im Domizil hat das Team die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist, Anregungen mitzugeben, um aufzuzeigen, wie die Fühldecken optimal genutzt werden können. Im Idealfall gelingt es, Farbe, Muster und Material an die Vorlieben der Personen anzupassen, denn diese Merkmale können mit Erfahrungen und Erinnerungen aus der Vergangenheit verknüpft sein. Bei Menschen mit einer stark eingeschränkten Mobilität hat das Team die Decken mit Duftölen zur Beruhigung oder Belebung beträufelt. „Klar ist jedoch, dass wir weiter ausprobieren müssen, welche Anwendungen zum gewünschten Erfolg führen könnten“ sagt Alexandra Büchler und ergänzt: „Es war sehr hilfreich, dass wir von Anfang an mit dem Liebenauer Nähwerk bereits vor der Produktion in engem Austausch standen. Somit konnten wir von Anfang an bestimmte Faktoren berücksichtigen.“

Jede Fühldecke ein Unikat

„Jede Fühldecke ist ein Unikat, das wir nach individuellen Bedürfnissen gestalten, von der Farbzusammenstellung über die Stoffarten bis hin zur Bestückung mit Reißverschlüssen, Schleifen, Bändern und Gurten“, informiert Claudia Graßmann. Seinem Upcycling-Konzept bleibt das Nähwerk auch bei diesem Produkt treu und verwendet beispielsweise Reststoffe aus der Alltagsmasken-Produktion, Frotteestoffe aus dem Fundus von alten Handtüchern sowie Knöpfe, Reißverschlüsse oder Bänder von Kleidungsstücken aus der namenlosen Wäsche.

(Quelle: Stiftung Liebenau)