Fatigue – zu erschöpft für den Alltag: Erkrankungsrate in Ulm und im Alb-Donau-Kreis leicht gestiegen

Fatigue – zu erschöpft für den Alltag: Erkrankungsrate in Ulm und im Alb-Donau-Kreis leicht gestiegen
Der Begriff „Fatigue“ stammt aus dem Französischen und bedeutet Müdigkeit oder Erschöpfung. Frauen sind häufiger davon betroffen. (Bild: picture alliance / Photoshot | -)
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Redaktion

Zähne putzen, die Waschmaschine ausräumen, telefonieren: Wer unter dem Fatigue-Syndrom leidet, fühlt sich schon nach einfachsten Tätigkeiten körperlich und mental völlig ausgelaugt. Einige leiden so sehr darunter, dass sie kaum noch am Leben teilnehmen können.

Lange mangelte es am Bewusstsein für das Krankheitsbild. Die Corona-Pandemie schärft jedoch den Blick dafür. Aktuell ist vor allem im Zusammenhang mit Long Covid häufig vom Fatigue-Syndrom die Rede. Schwere Erschöpfung tritt aber auch nach anderen Erkrankungen auf.

Frauen sind über alle Altersgruppen hinweg etwa doppelt so häufig von Fatigue betroffen wie Männer

Die Erkrankungsrate ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Im Jahr 2020 zählte die AOK Ulm-Biberach im Stadtkreis Ulm 224 Versicherte, die wegen Fatigue in Behandlung waren. 2016 waren es noch 137 Versicherte. Im Alb-Donau-Kreis stieg die Zahl von 126 Betroffenen im Jahr 2016 auf 196 im Jahr 2020.

In ganz Baden-Württemberg waren 11.137 Versicherte wegen einer Fatigue-Erkrankung in ärztlicher Behandlung. Frauen sind über alle Altersgruppen hinweg etwa doppelt so häufig von Fatigue betroffen wie Männer. Der Anteil der Betroffenen im Land ist zwischen 2016 und 2020 jährlich um durchschnittlich 6,4 Prozent gestiegen.

In Ulm betrug der jährliche Anstieg durchschnittlich 12,2 Prozent und im Alb-Donau-Kreis 10,3 Prozent. Durch Long-Covid-Betroffene werden die Zahlen von Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom weiter ansteigen.

Das Leben der Betroffenen wird durch die permanente, extreme Mattigkeit nachhaltig beeinträchtigt

Der Begriff „Fatigue“ stammt aus dem Französischen und bedeutet Müdigkeit oder Erschöpfung. Das Fatigue-Syndrom zeichnet sich durch ein anhaltendes Gefühl von Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit aus, das sich auch durch viel Schlaf und Ausruhen nicht vertreiben lässt. Das Leben der Betroffenen wird durch die permanente, extreme Mattigkeit nachhaltig beeinträchtigt.

„Die Ursachen von Fatigue sind vielfältig, noch immer nicht gut verstanden und oft nicht einfach zu klären,“ sagt Dr. Hans-Peter Zipp, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg. Fatigue tritt häufig als Begleiterscheinung bei Krebserkrankungen oder chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Rheuma, Parkinson, Lupus oder Morbus Crohn auf sowie bei andauerndem Stress oder anderen psychosozialen Belastungen.

Bislang sind keine Medikamente zur kausalen Therapie verfügbar. Die Behandlung des Chronischen Fatigue-Syndroms zielt daher insbesondere darauf ab, Symptome wie beispielweise Schlafstörungen und Schmerzen zu lindern und Überanstrengung zu vermeiden. Auch Entspannungstechniken sind ein wichtiger Baustein der Behandlung.

(Quelle: AOK)