Faire Woche: Ein Markt mit viel Anregungen und die Frage, ob Gerechtigkeit möglich ist

Faire Woche: Ein Markt mit viel Anregungen und die Frage, ob Gerechtigkeit möglich ist
Jazz vor der Kirche: Marco Schorer und seine Band. Jazz vor der Kirche: Marco Schorer und seine Band.
WOCHENBLATT
Redaktion

Tuttlingen – Mit dem Fairen Markt vor der Stadtkirche und der Fairanstaltung im Abteil 42 im Bahnhof ging die Faire Woche 2022 zu Ende. Bei insgesamt acht Veranstaltungen standen die Themen Fairer Handel und Gerechtigkeit im Mittelpunkt.

Jazz von Marco Schorer und seiner Band, leckerer Kuchen und ein von der Ini Asyl organisiertes Buffet mit pikantem Gebäck nach Rezepten aus Syrien oder der Ukraine, aber auch viele Informationen über Gerechtigkeit, fairen Handel und das, was jeder einzelne dazu beitragen kann: Der Faire Markt am Samstag verband die unterschiedlichsten Aspekte.

So erfuhren die Besucher und Besucherinnen am Stand von Fairtrade-Kreis und Fairtrade Stadt, was an fairer Schokolade denn fair ist, Fußabdrücke mitten in der Fußgängerzone erklärten, was eine Fairtrade-Stadt oder einen Fairtrade-Landkreis auszeichnet, und Attac informierte darüber, welche Folgen unser Finanz- und Handelssystem für die Länder des Globalen Südens hat. Außerdem konnte man Produkte kaufen, die nach fairen Kriterien produziert wurden – von Klassiker wie Kaffee, Tee und Öle über Schulhefte bis zu Sportbekleidung.

Der Faire Markt stellte traditionsgemäß den praktischen Teil der Fairen Woche dar, in den Tagen zuvor wurden verschiedene Themen bei Vorträgen in der Stadtkirche und im evangelischen Gemeindehaus diskutiert. So erläuterte Dr. Boniface Mabanza am Beispiels des weltweiten Handels mit Wein, wie sich internationale handelspolitische Strukturen auswirken.

Otmar Wetzel zeigte konkrete Beispiele für ein nachhaltiges Leben auf – und dies sei unabdingbar: Es sei kein „Nice to have“, sondern eine Überlebensstrategie.

Bei einer Lesung befasste sich die GWÖ-Gruppe mit der Frage, was Gerechtigkeit bedeutet. Gemeinsam mit den Besucher und Besucherinnen wurde über philopsophische Texte aber auch aktuelle Zeitungsbeiträge diskutiert. Dass manche Strukturen des fairen Handels auch kritisch zu betrachten sind,

wurde im Vortrag von Marietta-Nicole Amoussou deutlich: In vielen Köpfen sei nach wie vor eine klare Hierarchie zwischen den Weltegionen zementiert – und zwar sowohl im Globalen Norden wie im Globalen Süden: „Ein Teil der Welt wartet immer noch darauf, gerettet zu werden. Und der andere Teil glaubt immer noch, der Retter zu sein“.

Dass Gerechtigkeit eigentlich unmöglich ist, arbeitete Jeremias Heppeler in seinem Essay heraus, das er bei der Kukav-Fairanstaltung im Abteil 42 im Bahnhof vorstellte, bevor die Woche dann mit Jazz von Barbara Klobe und Benjamin Engel ausklang: Schon der reine Zufall des Geburtsortes, so Heppeler, sei zutiefst ungerecht.

Umso wichtiger sei es, dass man sich zum Beispiel als weißer männlicher Europäer der Mittelschicht dieses Privilegs ständig bewusst sei. „Niemand kann etwas dafür, wo er geboren wurde – aber genau das entscheidet über Lebenschancen. Die alte Geschichte, dass es jeder schaffen könne, stimmt einfach nicht:“

(Bild: Stadt Tuttlingen)