EV Lindau Islanders trauern um Ehrenmitglied Walter Bänziger

EV Lindau Islanders trauern um Ehrenmitglied Walter Bänziger
Eine prägende Figur des Lindauer Eishockey ist verstorben. (Bild: EV Lindau Islanders)
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Redaktion

Lindau – Die EV Lindau Islanders trauern – laut Vereinsmitteilung – um ihren Gründungsvater Walter Bänziger. Das Ehrenmitglied verstarb am 6. Juli im Alter von 87 Jahren. „Ohne Walter Bänziger gäbe es unseren EV Lindau nicht“, würdigte der 1. Vorsitzende, Bernd Wucher, den Verstorbenen. „Mit Walter geht eine große Geschichte und ein enger Freund von uns.“

Auch EVL-Präsident Marc Hindelang verbindet – so der EVL weiter – mit dem Namen Walter Bänziger nur angenehme Erinnerungen. „An Walter Bänziger kam niemand vorbei, der sich in Lindau mit Eishockey beschäftigt hat. Eine meiner ersten Aufgaben als junger LZ Redakteur führte mich zum EVL und da beeindruckte er mich schon im Gespräch mit seiner ruhigen, aber bestimmten Persönlichkeit.“

Und weiter: „Das ist so geblieben, denn er hat immer genau hingesehen, wie die Vorstände seinen  Verein leiten.“ Der regelmäßige Austausch bei Heimspielen oder Veranstaltungen mit Walter Bänziger sei immer interessant, hilfreich – und stets positiv und von gegenseitigem Respekt geprägt – gewesen. Hindelang: „Es war ein großes Eishockeyherz, das nun leider aufgehört hat zu schlagen.“

Walter Bänziger wurde bei der Gründungsversammlung am 13. Dezember 1976 im Aeschacher Hof mit dem Amt des Beirates betraut, später lautete seine offizielle Position „Technischer Leiter“. Tatsächlich sei er aber viel mehr gewesen. „Er hatte alle Fäden in der Hand, egal ob es die Spieler, die Trainer oder die Jugend betraf“, blickt Franz Wucher, selbst Gründungsmitglied und ebenfalls eine prägende EVL-Persönlichkeit, zurück. „Der gesamte Ablauf lief über ihn.“

Ob Sponsoren oder Bandenwerbung, ja selbst die Belange der Jugend sei in seinen Händen gelegen. „Er war ein Macher“, betont Franz Wucher über seinen „persönlichen Freund“.1983 war Bänziger maßgeblich an einer wegweisenden Entscheidung für den EVL beteiligt. Als Lindenberg die Spielgemeinschaft mit Lindau aufkündigte, stand Lindau plötzlich ohne 1. Herrenmannschaft da, es bestand sogar die Gefahr, dass – ohne das Zugpferd einer 1. Mannschaft – alles auseinanderbricht.

Aus der Not machte der EVL – mit Walter Bänziger als treibender Kraft – aus der Not eine Tugend und setzte voll auf den Nachwuchs. „Wir haben uns diesen Schritt wohlweislich überlegt. In der Hoffnung, bald wieder eine Herrenmannschaft mit Eigengewächsen stellen zu können“, zitiert die Vereinschronik den Verstorbenen. Er selbst sorgte mit Hilfe von Sponsoren gleich noch für drei komplette Eishockey-Garnituren für den Nachwuchs.

Und: Das Wagnis auf die Jugend zu setzen, sei aufgegangen. In der Saison 1985 / 1986 war es so weit. Nach zweijähriger Unterbrechung konnte der EV Lindau wieder eine Herrenmannschaft aus eigenen Nachwuchsspielern stellen – komplett, ohne Fremdspieler, was mit ziemlicher Sicherheit einmalig in Deutschland war. „Darauf waren wir schon stolz“, sagte Bänziger später, „aber uns ist ja nichts anderes übriggeblieben“. Noch heute setzen die Islanders auf eine umfangreiche Nachwuchsarbeit.

Damals wurde das junge Team auf Anhieb Meister in der Landesliga Württemberg. Der Zuschauerschnitt lag bei 380 Besuchern. In der folgenden Saison schaffte der EVL unter Trainer Klaus Thomann den Aufstieg in die Baden-Württemberg-Liga, wo man wiederum ein Jahr später überraschend sogar Vizemeister wurde. „Walter Bänziger war damals mein Mentor und mein großes Vorbild“, erklärt Bernd Wucher, in jenen Tagen einer der Führungsspieler.

Auch an allen nachfolgenden EVL-Entscheidungen war der begeisterte Hobby-Segler maßgeblich beteiligt. So, als mit Harry König aus Lustenau der erste auswärtigen, professionellen Trainer mit Lizenz verpflichtet wurde.„Harry war ein begeisterungsfähiger Typ, der Disziplin in die Truppe hineingebracht hat“, zitierte die Lindauer Zeitung in einem Beitrag zum 25-jährigen Vereinsjubiläum Walter Bänziger.

König, der Asket aus Österreich, führte den EVL in die Regionalliga Süd-West, wo am Ende der Saison 1989 / 1990 der dritte Platz unter zehn Teams heraussprang. Mit einer kleinen Sensation wartete der Verein im Winter 1990 / 1991 auf, als der ehemalige polnische Nationalspieler Jan Szeja als Neuzugang präsentiert wurde.

Spätestens in dieser Saison avanciert Eishockey zum Lieblingssport in Lindau: Zum Topspiel gegen Wernau strömten einst 800 Zuschauer ins Eichwaldstadion. Die folgenden Meilensteine in der Geschichte des EV Lindau erlebte Bänziger als gerngesehener Tribünengast im Eichwaldstadion mit.

Darunter die Bayernliga-Meisterschaft 2015 und den Aufstieg in der Oberliga. Bis zuletzt galt sein Interesse dem EVL, er wollte über alles informiert sein. Selbst Spiele der Nachwuchs-Teams besuchte Walter Bänziger regelmäßig. Nicht nur bei den Jugendspielen wird sein Tribünenplatz künftig leer bleiben.