Erste Pflegemaßnahme für den Biotopverbund Meßkirch

Erste Pflegemaßnahme für den Biotopverbund Meßkirch
Berg-Aster Blüten (Bild: Michael Linnenbach)

WOCHENBLATT
Redaktion

In den kommenden Tagen werden auf den Flächen der Stadt Meßkirch, in der Nähe der Thalmühle Landschaftspflegearbeiten stattfinden. Dabei werden in einem Teilbereich des Trockenhanges beschattende Gehölze und Hybridpappeln entfernt, um eines der wertvollsten Magerrasen – Biotope auf dem Gemeindegebiet wiederherzustellen.

Dass für den Schutz der Natur Gehölze und Bäume entfernt werden müssen, erscheint zunächst widersinnig. Die seltenen Magerrasen-Arten können jedoch nur mit viel Licht und Wärme dauerhaft überleben Die durch das vorhandene Gehölz erzeugte Beschattung führt zum Verlust dieses wertvollen und gefährdeten Lebensraums und damit auch zum weiteren Rückgang von spezialisierten Arten wie der Kartäuser-Nelke und der Kalk-Aster.

Im kommenden Jahr wird der Rest der Hangfläche freigestellt werden, um die ursprüngliche Größe des gefährdeten Lebensraums wiederherzustellen.

Die an Wärme, Licht und Trockenheit angepasste Pflanzenwelt der Kalkmagerrasen ist ursprünglich durch Beweidung entstanden. Sie kann nur bei regelmäßiger Nutzung durch den Menschen dauerhaft überleben. Noch heute zeugen vereinzelte Silberdisteln von der Beweidung, die dort bis vor wenigen Jahrzehnten stattfand. Anstelle der bisherigen Pflegemahd – die ein ansässiger Landwirt dort seit 20 Jahren unter großen Mühen geleistet hat – soll daher zukünftig wieder die Beweidung mit Schafen und Ziegen den Fortbestand der Pflanzengemeinschaft sichern.

Die Dringlichkeit der Wiederherstellung war während einer Begehung der Umweltbeauftragten der Stadt Meßkirch, einem Planungsbüro und der unteren Naturschutzbehörde festgestellt worden. Anlass der Begehung war die aktuell stattfindende Biotopverbundplanung auf dem Gemeindegebiet. Ziel der Planung ist die aktive Wiedervernetzung und Pflege wichtiger geschützter Lebensräume im Gemeindegebiet. Damit soll die Ausbreitung vieler aktuell gefährdeter Arten in der Landschaft wieder ermöglicht werden. Der erste Schritt ist dabei die Sicherung bestehender Lebensräume. Durch die Größe und Artausstattung stellt das Biotop eine wichtige Kernfläche für den Biotopverbund dar und ist damit perfekt für eine erste Pflegemaßnahme im Rahmen der Planungen geeignet.

Die Pflegemaßnahme ist aber auch lokalhistorisch sehr interessant: Mit der Rücknahme der Gehölze und der Wiederaufnahme der Beweidung erhält die Fläche wieder den typischen Charakter, den sie zu Lebzeiten Conradin Kreutzers gehabt haben dürfte. Dessen Geburtsstätte befindet sich auf dem Hof Thalmühle, knapp 100 Meter von der Pflegefläche entfernt.

Informationsveranstaltungen zur Biotopverbundplanung der Gemeinde sind für das Jahr 2023 geplant und werden rechtzeitig im Amtsblatt der Stadt Meßkirch angekündigt.

(Pressemitteilung: Landratsamt Sigmaringen)