Erste Demokratiekonferenz mit mehr als 50 Teilnehmern

Erste Demokratiekonferenz mit mehr als 50 Teilnehmern
Aus den Gruppen erarbeiteten die Teilnehmenden Ideen, die im Rahmen des Projektes „Demokratie leben“ umgesetzt werden könnten. Dazu zählte unter anderem auch die Organisation eines Demokratiefestivals. (Bild: Stadt Friedrichshafen)
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Redaktion

Friedrichshafen – Mehr als 50 Interessierte aus den verschiedensten Teilen der Gesellschaft fanden sich im Graf-Zeppelin-Haus ein oder waren online zugeschaltet, um an der ersten Demokratiekonferenz im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie Friedrichshafen“ teilzunehmen.

Organisiert wurde die Veranstaltung von Amt für Soziales, Familie und Jugend, Abteilung Integration, in Zusammenarbeit mit der Arkade als Koordinierungs- und Fachstelle der „Partnerschaft für Demokratie“. Finanziell gefördert wurde sie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“.

Bürgermeister Andreas Köster begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und freute sich über die gute Resonanz bei der ersten Demokratiekonferenz im Graf-Zeppelin-Haus. Ziel der Konferenz war es, eine Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch und zur Begegnung zu schaffen.

„Der Kreis der Teilnehmenden ist sehr bunt gemischt, womit wir eines unserer Ziele für den heutigen Tag bereits erreicht haben, da wir die bestehenden Netzwerke ausweiten und miteinander verknüpfen möchten. Der heutige Abend ist für uns ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, den wir bis Ende 2024 mit der „Partnerschaft für Demokratie“ gehen wollen, aber eben auch nur ein erster Schritt“, so Bürgermeister Andreas Köster.

Das Improtheater Konstanz brachte das Thema Demokratie lebendig auf die Bühne und machte so die Botschaften für die Teilnehmenden nachhaltig erinnerbar. Die Firma Translake stellte die Situations- und Ressourcenanalyse über die Demokratielandschaft in Friedrichshafen vor.

„Die Analyse machte deutlich, dass es bereits ein großes Engagement zahlreicher Akteure in der Stadt gibt, die sowohl nach innen eine demokratische Kultur pflegen, als auch zum Teil Aktivitäten durchführen, die in den Förderbereich der „Partnerschaft für Demokratie“ fallen. Interviews und eine online-Umfrage zeigten außerdem, dass die Unterstützung seitens der Stadt im Großen und Ganzen positiv wahrgenommen wird, wobei der Wunsch nach einer nachhaltigen Förderung deutlich wurde“, so Ines Weber, Leiterin des Amtes für Soziales, Familie und Jugend.

Unter der Corona-Pandemie haben nicht nur die Vereine gelitten, sondern die Interviewten nahmen auch insgesamt eine erhöhte gesellschaftliche Anspannung wahr. Insgesamt wurden extremistische Tendenzen in Friedrichshafen jedoch nur von 12 Prozent der Befragten als „sehr stark“ eingestuft, von jeweils 38 Prozent als „neutral“ oder „gering“ und von weiteren 12 Prozent als „sehr gering“.

Die gelebte Vielfalt in der Stadt dagegen wurde von 12 Prozent als „sehr stark“ und von 62 Prozent als „stark“ bewertet, das Demokratiebewusstsein ebenfalls von 12 Prozent als „sehr stark“ und immerhin noch von 50 Prozent als „stark.“ Als Themen, die noch mehr bearbeitet werden müssen, wurden die Demokratiebildung an Schulen, die Stärkung des „Wir-Gefühls“ sowie politische Transparenz und kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit genannt.

Felix Steinbrenner, Leiter der Stabsstelle „Demokratie stärken“ der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, sprach über das Thema „Warum Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist“ – nämlich, weil sie die einzige Staatsform ist, die erlernt werden muss.  Bezugnehmend auf die Politik in der Pandemie meinte Steinbrenner: „Man muss auch mal Fehler eingestehen.“

In mehreren Gruppen wurde dann versucht, Antworten auf die Fragen „Welche Herausforderungen sehen Sie für die Demokratie in Friedrichshafen?“, „Was soll Ende 2024 im Gegensatz zu heute in Friedrichshafen anders oder besser sein, damit die „Partnerschaft für Demokratie Friedrichshafen“ erfolgreich war?“ und „Welche konkreten Projekte könnten zur erfolgreichen Umsetzung des Projekts beitragen?“ zu finden.

Aus der Gruppenarbeit ergaben sich zahlreiche Ideen wie die Organisation eines Demokratiefestivals, Begegnungsformate mit Juden, Muslimen, Geflüchteten oder Sexarbeitenden, ein internationales Kunsthandwerkerprojekt oder ein Democracy Slam.

Ein Ziel, das mit Blick auf die nächste Kommunalwahl 2024 formuliert wurde, war, dass der Gemeinderat repräsentativer und vielfältiger werden sollte. Nach Meinung der Teilnehmenden sollten die Religionsgemeinschaften stärker einbezogen werden und Diskriminierungserfahrungen offen kommuniziert werden. Eine besondere Art der Zusammenfassung bot zum Abschluss nochmals das Improtheater Konstanz auf der Bühne.

„Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren sehr positiv. Vor allem die Arbeit in den Gruppen und die Auftritte des Improtheaters kamen gut an. Einig waren sich alle Teilnehmenden, dass das Thema Demokratie sehr wichtig ist und die Demokratiekonferenz den richtigen Rahmen bildete, um den Menschen das Thema näher zu bringen“, so Natascha Garvin, Abteilungsleiterin der Abteilung Integration im Amt für Soziales, Familie und Jugend. Eine wichtige Erkenntnis aus der Konferenz war auch, dass Demokratie allen Spaß machen soll, denn die Zukunft der Demokratie geht alle an.

(Pressemitteilung: Stadt Friedrichshafen)