„Er muss spielen“: Carlos Marquis wird verabschiedet

„Er muss spielen“: Carlos Marquis wird verabschiedet
"Shootingstar" Carlos Marquis wurde vom HSG Konstanz verabschiedet. (Bild: Michael Elser)
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Redaktion

Konstanz – Im Sport kann es schnell gehen. In alle Richtungen. In der letztjährigen Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga spielte sich Carlos Marquis mit starken Leistungen als „Shootingstar“ der Südgruppe in das Blickfeld der HSG Konstanz. Dort verletzte der Spielmacher sich jedoch gleich im ersten Training unglücklich wie schwer und konnte seitdem kein einziges Spiel für die HSG bestreiten.

Nach dem Endspiel am Samstag, 20 Uhr, in der vollen Schänzle-Hölle um Platz eins (www.hsgkonstanz.de/tickets) vor den Finalspielen um den Aufstieg in die 2. Bundesliga wird er verabschiedet. Ebenso wie Tim BornhauserMaximilian WolfJoschua BraunMatthias HildJannes Timm sowie Co-Trainer Fabian Schlaich und Torwart-Trainer Sven Gemeinhardt.

Große Konkurrenz auf „Mitte“

„Wir wünschen ihm das Beste und dass er wieder zu einhundert Prozent fit wird“, erklärt André Melchert, der das 20-Jährige Talent im vergangenen Sommer von der HSG Krefeld verpflichtet hatte. „Für Carlos ist nun wichtig, dass er seine Spielanteile bekommt. Er ist noch jung und hat ein Jahr lang nicht gespielt.“ Der Geschäftsführer der HSG Konstanz lobt ihn als „super Handballer. Deshalb haben wir ihn geholt und das ist er immer noch“. Dennoch wird in der nächsten Saison auf der „Mitte“ eine große Konkurrenz herrschen, da die HSG auf dieser Position in den kommenden Wochen noch einen Neuzugang vorstellen wird. Allen Spielern könne man so nicht gereicht werden, sagt Melchert. „Deshalb haben wir den Vertrag mit Carlos nicht verlängert. Auch seine Entwicklung ist uns wichtig. Dafür benötigt er viel Spielzeit. Handballerisch und menschlich gibt es keinen Grund für eine Trennung.“

Ein Schritt zurück, um wieder Fuß zu fassen

Seit sieben Wochen und der letzten Operation geht es für Marquis bergauf. Inzwischen kann das aus Schwerte stammende spielstarke Talent schon wieder joggen. Im Sommer möchte er wieder voll bereit für die Vorbereitung sein. Endlich, nachdem frustrierende Monate hinter ihm liegen. Weil kein Ende in Sicht war, sei die Situation besonders belastend gewesen, erzählt Marquis. Zwischenzeitlich beschäftigte er sich bereits mit einem möglichen Auslandsaufenthalt und neuen beruflichen Perspektiven. „Aber ich verspüre wieder große Lust zu zocken“, sagt der junge Mann. Das Lachen ist dabei zurück in seinem Gesicht.

Nicht immer muss ein Schritt zurück jedoch auf Dauer sein. Beispiel Tom Wolf: Der ging vor seinem Wechsel nach Konstanz nach einigen schweren Verletzungen zurück in die vierte Liga. Arbeitete sich mit viel Spielzeit und Verantwortung wieder zurück und bekam in Konstanz einen Vertrag für die 2. Bundesliga. Am Bodensee reifte der torgefährliche Spielgestalter schließlich zum Topspieler, der die HSG anführte und der sich damit für die 1. Bundesliga empfehlen konnte. Auch für Marquis solle es nun zunächst einen Schritt zurück gehen, vielleicht in Richtung Heimat. Spielklasse und künftiger Club stehen aber noch nicht fest. „Ich werde dann zwar nicht vor so tollen Fans wie in Konstanz und in einem so professionalen Umfeld spielen“, so Marquis. „Dennoch ist es der richtige Schritt.“

„Ganz besondere Mentalität, die ich so nicht kannte“

Bemerkenswert: Die Zeit in Konstanz bezeichnet der Mann, der im Handball-Internat von Bayer Dormagen groß wurde, trotz aller persönlichen Rückschläge als tolle Erfahrung. Viel Wehmut klingt durch, dass er nie selbst auf der Platte in der Schänzle-Hölle stehen konnte. Viel habe er dennoch von Head Coach Jörg Lützelberger gelernt, fügt der Blondschopf an. „Er prägt eine ganz besondere Mentalität, die ich so nicht kannte. Auch der Zusammenhalt im Team und im Verein, wie man sich immer vor die Spieler stellt, war neu für mich.“ Dann muss er einmal tief schlucken, ehe es aus ihm mit einem großen Seufzer herausplatzt: „Es ist mega schade. So wie ich Handball zocke, hätte das wie Hintern auf Eimer zur HSG gepasst. Es ist sehr unglücklich gelaufen.“

Mit großem Ehrgeiz absolviert er aktuell die Reha und möchte im Sommer neu angreifen. Zuvor steht ihm der Abschied von der HSG bevor. Ein komisches Gefühl sei das, verrät er. „Weil ich gehen muss, ohne etwas hinterlassen zu haben, ohne gezeigt haben zu können, was ich kann. Ich fiebere dennoch mit, dass wir auch den letzten Schritt zum großen Ziel gehen. Ein riesiges Dankeschön geht an die Vereinsführung für das Vertrauen, das sie in mich gesetzt und für was sie in mir gesehen haben. Ebenso an meine Teamkameraden, die mich immer unterstützt haben. Ich wünsche ihnen alles erdenklich Gute und hoffe, sie können in der 2. Bundesliga zeigen, was in ihnen steckt.“

(Pressemitteilung: HSG Konstanz)