Energieausweis muss bei Wohnungsbesichtigungen unaufgefordert gezeigt werden

Energieausweis muss bei Wohnungsbesichtigungen unaufgefordert gezeigt werden
Der Energieausweis gibt Auskunft über Klimafreundlichkeit und zu erwartende Heizkosten einer Immobilie (Bild: beermedia/ Fotolia)
WOCHENBLATT
Redaktion

Berlin – Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat vor dem Landgericht Berlin ein Urteil erstritten, das die Rechte potentieller Käufer oder Mieter von Wohnungen stärkt.

Das Gericht bestätigte das im Gebäudeenergiegesetz (GEG) festgeschriebene Recht von Verbrauchern, wonach Energieausweise bei Wohnungsbesichtigungen gut sichtbar ausgehängt oder unaufgefordert vorgelegt werden müssen (Az LG Berlin 101 O 15/20). Die DUH kündigt an, die Kontrollen in diesem Bereich zu intensivieren.

Informationspflicht bei der Besichtigung

Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband hatte diese Informationspflicht 2019 bei zwei „offenen“ Wohnungsbesichtigungen überprüft. Bei beiden Terminen wurde sie missachtet. Die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen wurden in den Einladungen zur Besichtigung zwar bereitgestellt, vor Ort jedoch nicht. Das Gericht bestätigte nunmehr die Rechtsauffassung der DUH, wonach es keine abgestufte Informationspflicht gebe: Auch bei bereits erfolgter Verbraucherinformation in der Immobilienanzeige gilt eine Informationspflicht bei der Besichtigung. Wichtiges Entscheidungskriterium

In der Urteilsbegründung heißt es u.a.: „Der bei der Besichtigung vorzulegende Energieausweis ist nicht erst auf Nachfrage vorzulegen, vielmehr ist er ohne eine diesbezügliche Aufforderung zur Verfügung zu stellen (…). Der Interessent muss bei der Besichtigung aktiv auf den Energieausweis gestoßen werden, sei es durch Vorlage, sei es durch Aushang (…).“

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Wir haben ein wichtiges Urteil erkämpft: Verbraucher haben ein Recht, den Energieausweis unaufgefordert zu sehen. Hiermit lassen sich energieintensive Gebäude direkt erkennen. Verbraucherinnen und Verbraucher können bewerten, wie klimafreundlich eine Immobilie ist und ob künftig mit hohen Kosten, zum Beispiel fürs Heizen, zu rechnen ist.“ Damit werde die energetische Qualität einer Wohnung oder eines Hauses ein wichtiges Entscheidungskriterium für den Kauf oder die Miete.

(Quelle: Deutsche Umwelthilfe)