Ein Wahlsieg ohne Kampf

Ein Wahlsieg ohne Kampf
Mike Jörg, seit 1994 bekannt für seinen Jahresrückblick „Wa(h)r was?“ (Bild: PR/Mike Jörg)
WOCHENBLATT
Redaktion

Mike Jörg, oberschwäbischer Kabarett-Grandseigneurs aus Weingarten, heitert Sie, in diesen humorlosen Zeiten, jede Woche bei uns ein bisschen auf. Der Satiriker ist seit 1994 bekannt für seinen satirischen Jahresrückblick „Wa(h)r was?“ Aus bekannten Gründen müssen alle Termine für die treffsicheren Sticheleien landauf und landab leider ausfallen. Nicht aber bei uns. Lassen Sie sich jede Woche überraschen, mit was Mike Jörg Ihre Lachmuskeln digital kitzeln wird. Viel Vergnügen!

Was ist ein Wahlkampf? Es gibt Stierkämpfe, Hahnenkämpfe, Gladiatorenkämpfe, Revierkämpfe und es gibt den Boxkampf.

Deshalb frage ich mich: War dieser Wahlkampf ein Revierkampf oder war es eher ein kampfloser Boxkampf?

Als ich hörte, dass es einen Wahlkampf geben soll zwischen Susanne Eisenmann und Winfried Kretschmann, dachte ich spontan an einen Wrestling-Kampf. Ich sah schon die BILD-Schlagzeile vor mir: „Eisen-Mann“ gegen „Kretsch-Mann“ – ein Duell zweier Knochenbrecher.  Dieser Wahlkampf war aber kein Kampf. Von den Medien wurden zwar immer wieder neue Kampfrunden angekündigt und eingeläutet, aber sowohl die „Einsen-Mann“ als auch der „Kretsch-Mann“ blieben einfach in ihrer Ring-Ecke sitzen. Kretschmann blickte von den Großplakaten wie ein weiser Mann und warb für sich mit dem Slogan „Sie kennen mich“. Ein Satz, mit dem Frau Merkel zur Unbesiegbaren wurde. Merkel hat ihre Wahlen immer gewonnen, weil sie während der Wahlkämpfe schön brav in ihrer Ring-Ecke sitzen blieb und vielsagend schwieg. 

Was war der große Unterschied bei diesem Wahlkampf? 

Kretschmann ist „glaub-würdig“, Eisenmann kämpfte um die „Glaub-würdig-keit“ der CDU. Die Wähler haben entschieden, wen sie als Sieger wollen: Sie wählten die Glaubwürdigkeit. Der Anspruch der Wähler an die Politik ist verdammt hoch. Sie sehnen sich nach hochmoralischen, selbstlosen und uneigennützigen Persönlichkeiten.

Und jetzt das: Diese Enthüllungen über den politischen Nachwuchs in der CDU!

Zu Kohls Zeiten dienten illegale Gelder dazu, die Parteikasse zu füllen. Sie haben damit regiert. Diese neuen Konservativen wollen das nicht. Die wollen gar nicht regieren, die wollen nur gieren. Die wollen keine Parteikasse, die wollen nur ihre eigenen Taschen füllen. Für die ist Politik ein Deal. Es war wohl der Schock über die eigenen Nachwuchspolitiker, warum Frau Eisenmann während des Wahlkampfes immer in ihrer Ring-Ecke sitzen blieb. Jetzt hat sie das Handtuch geworfen. 

Wenn du um „Glaub-würdig-keit“ kämpfen musst, hast du schon verloren.

Wobei die CDU ihr C nicht verloren hat. Sie hat es selbst geschreddert.