„Ein Ausnahmetalent“: Paul Wanners Weg vom FV Ravensburg zum FC Bayern

„Ein Ausnahmetalent“: Paul Wanners Weg vom FV Ravensburg zum FC Bayern
Paul Wanner ist mit 16 Jahren und 15 Tagen der jüngste Profi, der jemals in der Bundesliga für den FC Bayern München spielte. (Bild: picture alliance / Pressefoto Rudel | Robin Rudel)

Ravensburg/München (dab) – Spätestens seit vergangenem Freitag kennt jeder Fußballfan in Deutschland den Namen Paul Wanner: Der 16-Jährige gab beim Bundesliga-Rückrundenauftakt gegen Borussia Mönchengladbach sein Debüt für den FC Bayern München. Damit ist der gebürtige Amtzeller, der bis 2018 beim FV Ravensburg spielte, der jüngste Spieler, der bislang für den Rekordmeister in der Bundesliga auflief. Wolfgang Grünhagel, Sportlicher Leiter beim FV, kennt das Top-Talent bestens aus dessen Ravensburger Zeit.

Bayern schneller als Stuttgart, Freiburg und Co.

„Paul ist ein Ausnahmetalent! Das war schon zu erkennen, als er in der E-Jugend vom SV Amtzell zu uns kam“, erinnert sich Wolfgang Grünhagel. „Er ist wahnsinnig schnell und hat eine feine Technik, dazu ist er ein sehr anständiger Junge mit einem guten Charakter.“ Beim FV spielte Wanner schon als 12-Jähriger in der U15-Oberliga. Zudem war er im Förderkader des SC Freiburg – mit den Breisgauern kooperieren die Ravensburger seit vielen Jahren im Jugendbereich.

„Die Bayern waren vor etwa vier Jahren dann halt schneller“, blickt Grünhagel mit einem Schmunzeln auf den Lippen auf das Geschehen im Frühjahr 2018 zurück. Nachdem Paul Wanner damals überragende Leistungen zeigte und mehrmals von Scouts diverser Bundesligaklubs beobachtet worden war, griffen die Münchner zu und nahmen das Talent unter Vertrag. „Freiburg, Stuttgart, Augsburg, Hoffenheim, München – bei unseren Jugendspielen sind regelmäßig Scouts von Erstligisten zu Gast“, verrät Wolfgang Grünhagel. Über die vergangenen Jahrzehnte haben sich die Ravensburger schließlich einen hervorragenden Ruf im Jugendfußballbereich erarbeitet.

Kopf wichtiger als die Füße

Wichtig sei bei der Entwicklung vor allem auch das Elternhaus gewesen: „Ich kenne Pauls Eltern gut, sie wissen die Situation richtig einzuschätzen. Bei Paul sehe ich keine Gefahr, dass er abhebt“, so Grünhagel. Ähnliche Worte wählte auch Bayerns Cheftrainer Julian Nagelsmann nach der Gladbach-Partie: „Paul hat einen sehr guten Eindruck gemacht. Mit dem Fuß kann er alles. Wichtiger ist aber, dass er im Kopf klar bleibt. Dann stehen ihm Tür und Tor offen. Wenn nicht, ist die Tür schnell auch wieder zu.“

Bislang spielte der 16-Jährige in dieser Saison hauptsächlich in der U19-Bundesliga Süd/Südwest – dabei könnte er noch in der U17 eingesetzt werden, wo er in der aktuellen Spielzeit aber lediglich zweimal auflief. Trotz des Altersunterschieds verbuchte er in der U19 in neun Spielen zwei Treffer und zwei Assists, hinzu kommen unter anderem drei Einsätze für die deutsche U17-Nationalmannschaft. 

Zweitjüngster Bundesligaprofi aller Zeiten

Bei seinem ersten Bundesligaspiel am vergangenen Freitag – Wanner wurde bei der 1:2-Niederlage eine Viertelstunde vor Schluss für Marc Roca eingewechselt – war der Amtzeller 16 Jahre und 15 Tage jung. Damit ist er jetzt der zweitjüngste Spieler, der jemals in der höchsten deutschen Spielklasse zum Einsatz kam. Jüngster Bundesligaprofi ist der Dortmunder Youssoufa Moukoko: Der Angreifer debütierte im November 2020 mit 16 Jahren und einem Tag.

„Ich wünsche Paul für die Zukunft alles Gute und dass er verletzungsfrei bleibt. Dann wird er seinen Weg gehen, da bin ich mir sicher“, betont Wolfgang Grünhagel. Zeit, um sich weiterzuentwickeln, hat der Mittelfeldspieler schließlich noch genügend.