Drei Tote bei Schüssen an US-Schule in Michigan

Drei Tote bei Schüssen an US-Schule in Michigan
Eltern verlassen mit ihren Kindern einen Parkplatz, wo sich viele Schüler nach einer Schießerei an der Oxford High School im US-Bundesstaat Michigan versammelt haben. (Bild: Eric Seals/Detroit Free Press via AP/dpa)
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Redaktion

Wieder fallen an einer Schule in den USA Schüsse, wieder sterben Jugendliche. Der mutmaßliche Täter soll in der High School die zehnte Klasse besucht haben. Das Land bekommt die Waffengewalt nicht in den Griff.

Washington (dpa) – Ein 15-Jähriger soll an seiner High School in Oxford im US-Bundesstaat Michigan das Feuer eröffnet und mindestens drei seiner Mitschüler getötet haben.

Sieben weitere Schüler und eine Lehrerin seien bei der Tat am Dienstag durch Schüsse verletzt worden, sagte der Sheriff des Bezirks Oakland, Mike Bouchard, am späten Abend (Ortszeit). Bei dem mutmaßlichen Täter handele es sich um einen 15 Jahre alten Zehntklässler der Oxford High School nördlich der Metropole Detroit. Er sei festgenommen und in Jugendgewahrsam gebracht worden. Die Polizei habe eine Handfeuerwaffe beschlagnahmt, die ersten Erkenntnissen zufolge dem Vater des mutmaßlichen Täters gehören soll. Bei den Toten handele es sich um einen 16-Jährigen, eine 14-Jährige und eine 17-Jährige.

Motiv des Täters ist noch unklar

Drei der Verletzten befänden sich in kritischem Zustand, ein weiterer sei schwer verletzt worden, sagte Bouchard. Drei Schüler seien in stabilem Zustand. Die Lehrerin, die offenbar von einem Streifschuss getroffen worden sei, habe das Krankenhaus bereits verlassen können. Andere Schüler zogen sich demnach bei der Räumung der Schule nicht lebensbedrohliche Verletzungen zu. «Dies berührt uns alle persönlich und tief, und das für eine lange Zeit. Diese Wunde wird nie verschwinden», sagte der Sheriff.

Ein Polizeisprecher hatte zuvor mitgeteilt, der mutmaßliche Täter verweigere die Aussage, daher sei sein Motiv unklar. Seine Eltern hätten einen Anwalt angeheuert. Es sei unklar, ob der Schütze seine Opfer gezielt angegriffen habe. Der Verdächtige sei innerhalb von fünf Minuten nach dem ersten Notruf gefasst worden, der um 12.51 Uhr (Ortszeit/18.51 Uhr MEZ) eingegangen sei.

Als der 15-Jährige die Einsatzkräfte später auf einem Flur gesehen habe, habe er seine Hände gehoben, sagte Sheriff Bouchard. Daraufhin hätten die Beamten ihm seine Waffe abgenommen, in der noch Munition gesteckt habe, und ihn festgenommen. «Ich glaube, dass dadurch sieben weitere Opfer verhindert werden konnten», erklärte Bouchard. Die High School werde von rund 1800 Schülerinnen und Schülern besucht. Es gebe dort keine Metalldetektoren.

Man erwarte, dass die Untersuchungen länger dauern könnten, da die Beamten viel Videomaterial zu sichten hätten und Hunderte Menschen befragen müssten, sagte Bouchard weiter. Das Haus des Verdächtigen sei durchsucht worden. Dort habe man unter anderem dessen Handy sichergestellt. Die Schusswaffe habe der Vater des 15-Jährigen vier Tage vor dem Vorfall gekauft. Es blieb zunächst unklar, wie der mutmaßliche Schütze an die Waffe kam und sie in die Schule bringen konnte. Die zuständige Staatsanwältin Karen McDonald teilte Medienberichten zufolge mit, ihr Büro werde rasch Anklage erheben.

Strengere Waffengesetze sind nicht in Sicht

In den USA kommt es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen, weil Schützen an Schulen das Feuer eröffnen. Schusswaffen sind in den Vereinigten Staaten verhältnismäßig leicht zu bekommen. Strengere Waffengesetze scheitern in der Regel an den Republikanern im Kongress und an der mächtigen Waffenlobby. US-Präsident Joe Biden hat Maßnahmen zur Eindämmung von Waffengewalt in Aussicht gestellt, bislang aber ohne konkrete Ergebnisse.

Biden sprach den Angehörigen der Opfer an der Oxford High School sein Mitgefühl aus. «Meine Gedanken sind bei den Familien, die den unvorstellbaren Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen ertragen müssen», sagte er bei einem Besuch im Bundesstaat Minnesota. Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer nannte die Tat «schrecklich». Sie teilte mit: «Wir haben die Verantwortung, alles zu tun, um uns gegenseitig zu schützen, und wir haben die Mittel, um Waffengewalt zu reduzieren. Niemand sollte Angst haben, in die Schule, zur Arbeit, in ein Gotteshaus oder sogar in sein eigenes Haus zu gehen.»

Ein weiterer Fall von Waffengewalt erschütterte unterdessen die Menschen im Bundesstaat Georgia am Dienstagabend. Dabei kamen ein Polizist, zwei Frauen und der mutmaßliche Täter ums Leben, wie die Polizei des Bezirks Clayton mitteilte. Ein zwölfjähriger Junge habe eine Schusswunde im Gesicht erlitten. Sein Zustand sei kritisch, aber stabil. Ersten Ermittlungen zufolge handelte es sich um einen Fall von häuslicher Gewalt. Am Abend seien bei der Polizei mehrere Anrufe eingegangen. Als die Beamten am Tatort eintrafen, seien sie beschossen worden. Ein Polizist erlag seinen Verletzungen, ein weiterer sei an der Hand verletzt worden. «Solche Dinge sollten nicht passieren», sagte Polizeichef Kevin Roberts vor Journalisten.