Die Welt der Hummel-Figuren entdecken: Sie gehen auf die Zeichnungen einer Franziskanerin von Sießen zurück

Die Welt der Hummel-Figuren entdecken: Sie gehen auf die Zeichnungen einer Franziskanerin von Sießen zurück
Hummelfiguren erwecken bei vielen Kindheitserinnerungen. (Bild: Pixabay)

Bad Saulgau (le) – Hummel-Porzellanfiguren sind bei der älteren Generation oft mit vielen Erinnerungen verbunden. Die Jüngeren kennen die niedlichen Kinderfiguren mit dem unschuldigen Aussehen höchstens aus Omas Vitrine und wissen gar nicht, dass manche Stücke richtig wertvoll sind.

Nur wenigen ist bekannt, dass die weltweit berühmten Figuren auf die Zeichnungen einer Franziskanerin aus dem Kloster Sießen in Bad Saulgau zurückgehen.

Sr. Waltraud Vögele (li) und Sr. Iris Rederer im Hummelsaal. Sie wissen alles über die berühmte Künstlerin. (Bild: Daniela Leberer)

Maria Innocentia Berta Hummel wurde 1909 im Niederbayrischen Massing geboren und war schon als Kind energievoll und künstlerisch sehr begabt. Jeden Fetzen Papier den sie fand, bebilderte sie. Schon früh wurde ihre künstlerische Begabung erkannt und gefördert.

Die Eltern ermöglichten ihr ein Studium an der Akademie für Angewandte Kunst in München. Hier stach sie mit ihren vielseitigen Arbeiten schnell hervor und die Professoren sagten ihr eine hoffnungsvolle Künstlerlaufbahn voraus.

Berta Hummel entschied sich für einen Weg mit Gott

Doch es kam ganz anders. Während des Studiums lernte Berta zwei Schwestern aus dem Kloster Sießen kennen, freundete sich mit ihnen an und der Wunsch nach einem Leben im Kloster lies sie fortan nicht mehr los. Als sie die Entscheidung traf, Franziskanerin zu werden, waren viele ihrer Mentoren sehr enttäuscht und wollten sie umstimmen. Ohne Erfolg.

Nach einem hervorragenden Studienabschluss trat Berta im Frühjahr 1931 in das Kloster Sießen ein. Bei der Einkleidung erhielt sie den Ordensnamen Maria Innocentia.

Alle Fleißbildchen wurden von Hand gemalt

Die Kunst ließ sie auch im frommen Leben nicht los und sie veröffentlichte Zeichnungen auf Postkarten, übernahm die Leitung der Paramenten-Werkstatt und malte im Auftrag von einigen Pfarreien religiöse Bildnisse.

Hier gibt es einen Überblick des ganzen Schaffens der berühmten Ordensfrau. (Bild: Daniela Leberer)

Eine ihrer großen Leidenschaften waren Kinderbilder in Pastell und Öl. Im Jahr 1931 bestückte sie eine Ausstellung in Sießen und Beuron, im gleichen Jahr gab es auch den Druck der ersten Postkarten. In der Mädchenschule St. Anna gab sie wöchentlich Zeichenunterricht und war sehr beliebt. Sie war es auch, die die beliebten Fleißbildchen eingeführt hat – alle selbst gemalt.

Die Firma Goebbel wird auf die Künstlerin aufmerksam

Die Nonne beobachtete Kinder im Alltag sehr genau und fand bald ihren eigenen Stil. Daraufhin entstand das erste „Hummel-Buch“ mit 53 Kinderbildern – alle natürlich und sehr detailgetreu. Die Porzellanmanufaktur Goebbel, der es im Jahr 1934 wirtschaftlich nicht so gut ging, wurde darauf aufmerksam und bemühte sich um einen Lizenzvertrag für die figürliche Darstellung der Zeichnungen.

Damals entdeckten Franz Goebel und Eugen Stocke die Kinderzeichnungen der oberbayerischen Franziskanerschwester Maria Innocentia Hummel. Noch im selben Jahr wurden die ersten Hummelfiguren vorgestellt und fanden als kleine Botschafter von Harmonie und Frieden rasch einen ständig wachsenden Kreis von Liebhabern. (Bild: picture-alliance / dpa | Wolf-Dietrich Weißbach)

Die Herstellung der Figuren sollte die Rettung der Firma sein. So fing die Geburtsstunde der Hummel-Figuren an, die bald darauf ihren Siegeszug durch die ganze Welt antraten.

Nur echt mit der Unterschrift

Schwester Maria Innocentia Hummel besuchte zu Lebzeiten in regelmäßigen Abständen das Werk. Sie sah sich jedes Muster ganz genau an und achtete darauf, dass die Gesichter eine Anlehnung an ihre Zeichnungen hatten. Bis zum heutigen Tag wird jede neue Figur einem Sachverständigen-Gremium des Kloster Sießen zur Begutachtung vorgelegt, so wie es im Lizenzvertrag von damals vereinbart wurde. „M.I. Hummel“-Figuren sind zu Sinnbildern unbeschwerter Kindertage geworden. Die begabte Ordensfrau starb im Jahr 1946.

Der Sammlerkreis ist groß

Weit mehr als 1000 unterschiedliche Hummel-Figurenmodelle wurden bis heute entwickelt und ausschließlich in Deutschland gefertigt. Jede echte Hummel-Figur trägt die Unterschrift von Schwester Maria Innocentia Hummel.

Über 1000 verschiedene Figuren wurden ausschließlich in Deutschland gefertigt. (Bild: picture-alliance / dpa | Daniel Karmann)

Heute gehört die Firma dem Unternehmer Bernd Förtsch. Unter Sammlern gibt es ein reges Interesse. Die teuerste Figur soll „Die sieben Schwaben“ sein. Sie kann einen Verkaufswert von über 4.000 EUR erzielen.

In den Hummelsaal eintauchen

Im Kloster Sießen gibt es zum Andenken an die Künstlerin und Ordensfrau einen „Hummelsaal“. Der ist ab sofort wieder geöffnet – vormittags von 10 bis 12 Uhr und Di. bis So. 14-16.30 Uhr.

Wer möchte, kann im Hummel-Shop einige Andenken erwerben. (Bild: Daniela Leberer)

Infos, Anmeldungen und mehr gibt’s unter Tel. 07581 / 80-124.

Die Schwestern Waltraud Vögele, Alexandra Beicht und Iris Rederer zeigen den Besuchern mit viel Enthusiasmus die Werke.

Wer sich die Ausstellung anschaut sollte nicht verpassen, ein paar Minuten im Kreuzweg von Sr. M. Innocentia Hummel innezuhalten. Die religiöse Kunst hier berührt. Bitte an die Hygienevorschriften denken!