Die Towerstars ziehen den Kopf aus der Schlinge

Die Towerstars ziehen den Kopf aus der Schlinge
Die in weiß gekleidete Towestars-Defensive hat viel Arbeit gehabt. (Bild: Frank Enderle)
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Redaktion

Bayreuth – Die Ravensburg Towerstars haben sich in Bayreuth zwei Auswärtspunkte erkämpft. Eine 4:2-Führung nach dem zweiten Drittel brachten die Oberschwaben in der DEL2 zwar nicht über die Zeit, allerdings zeigten sie Moral und sicherten sich quasi mit der Schlusssirene der Verlängerung den 6:5-Sieg.

Towerstars-Coach Peter Russell konnte beim Gastspiel in Bayreuth mit Verteidiger Simon Gnyp kurzfristig auf weitere Unterstützung vom Penny-DEL-Kooperationspartner Ingolstadt zurückgreifen. Im Sturm war Lois Brune bereits am Freitag gegen Freiburg im Einsatz.

Zwischen den Pfosten stand dieses Mal Enrico Salvarani. Die Oberschwaben hatten einen wahrlich zielstrebigen Start. Gerade einmal neun Sekunden waren gespielt, als Sam Herr den Puck frei im Slot postiert und zur 1:0-Führung eindrückte. Vorangegangen war ein aggressives Vorchecking von Lois Brune am rechten Bullypunkt, Charlie Sarault spielte die Scheibe dann exakt weiter.

Auch in den Folgeminuten waren die Towerstars – laut Vereinsmitteilung – mit viel Zug zum Tor unterwegs, Bayreuth schien der frühe Gegentreffer nicht zu schmecken. Bis zur ersten gefährlichen Aktion vor dem Ravensburger Tor dauerte es bis zur 4. Spielminute, dann aber rissen die Gastgeber das Spiel an sich.

Als in der 6. Minute die Ravensburger Defensive zu träge in der Abstimmung war, nutzte dies Dominik Meisinger prompt aus. Er ließ Enrico Salvarani bei seinem platzierten Handgelenkschuss keine Chance. Die Towerstars taten sich danach schwer beim Spielaufbau, immer wieder kam es in der neutralen Zone zu Puckverlusten und Bayreuth schien mehrfach nahe am Führungstreffer zu sein.

In den letzten fünf Minuten des Startabschnitts hatten sich die Oberschwaben dann aber wieder sortiert und belohnten sich knapp vier Minuten vor der ersten Pause mit dem 2:1. Einen Schuss von der blauen Linie fälschte Kapitän Vincenz Mayer vor dem Tor noch leicht ab und die Scheibe fiel hinter Tigers Torhüter Lukas Steinhauer ins Tor.

Die Unparteiischen kontrollierten die Szene per Videobeweis, die Schlägerkelle von Vincenz Mayer war allerdings nicht zu hoch und der Treffer zählte. Im zweiten Spielabschnitt ging es zunächst ausgeglichen hin und her, ehe eine Strafzeit gegen Martin Hlozek den Bayreuth Tigers einen personellen Vorteil verschaffte.

Zunächst stand die Ravensburger Unterzahlformation recht solide in der eigenen Zone, doch dann zischte ein Schlagschuss von Ville Järveläinen zum 2:2 ins rechte Eck. Das Team von Coach Peter Russell steckte den Gegentreffer aber gut weg.

Sie setzten die Tigers, die nach dem Ausfall des früheren Towerstars Stürmers Frederik Cabana nur noch 13 Feldspieler zur Verfügung hatten, sofort mit aggressivem Vorchecking und schnellem Umschaltspiel unter Druck und in der 30. Minute segelte die Scheibe erneut ins Bayreuther Tor. Allerdings fand der Treffer wegen hohen Stocks keine Anerkennung.

Auf den nächsten Torjubel mussten die Oberschwaben mit ihren sieben mitgereisten Fans aber dennoch nicht lange warten. 31 Minuten waren gespielt, als Josh MacDonald den gegnerischen Torhüter mit einem Schuss aus halblinker Position überraschte, das 3:2.

Viereinhalb Minuten später ließ Charlie Sarault das 4:2 für die Gäste folgen. Er schloss ein starkes und geduldig vorgetragenes Überzahlspiel ab – nach neun vergebenen Überzahlchancen gegen Freiburg war das freilich ein wichtiger Aspekt für das Selbstvertrauen.

Dass die Oberschwaben diesen Zwei-Tore-Vorsprung mit in die Kabine nehmen konnten, sei Torhüter Enrico Salvarani zu verdanken gewesen. Er reagierte nach einem Solo von Cason Hohmann glänzend mit den Beinschienen. Es war klar, dass die Gastgeber im Schlussabschnitt noch einmal alle Kräfte bündeln würden und prompt fanden sich die Oberschwaben schon in den Startminuten in arger Bedrängnis wieder.

Mehrfach konnte Enrico Salvarani hochkarätige Möglichkeiten der Gastgeber entschärfen, in der 45. Minute war es dann aber passiert. Nach einem Puckverlust an der gegnerischen blauen Linie startete Bayreuth einen Konter und Jan-Luca Schuhmacher drückte den Puck dann im Nachschuss zum 3:4 über die Linie.

Die Towerstars hingen danach – laut Mitteilung – aber nicht durch, sondern versuchten, den dünn besetzten Kader der Gastgeber wieder verstärkt läuferisch zu beschäftigen. So erspielten sich die Oberschwaben wieder deutlich mehr Torchancen. Da diese allerdings nicht genutzt wurden, blieb die Partie weiterhin spannend.

Vor allem, als Fabian Dietz in der 52. Minute wegen Beinstellens auf die Strafbank musste. Zumindest für 14 Sekunden, dann nämlich hatte das Bayreuther Powerplay bereits zugeschlagen und der Spielstand war durch Ville Järveläinen wieder egalisiert. Doch die Towerstars hatten die passende Antwort parat.

Gerade als die Zuschauer noch mehr witterten, schlug Josh MacDonald zum zweiten Mal zu. Er spielte am linken Pfosten eine starke Kombination eiskalt zu Ende und vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit stand erneut eine Ravensburger Führung auf der Anzeigentafel. Die Möglichkeit, diese spielentscheidend auszubauen, eröffnete sich eine Minute später.

Wegen eines Bandenchecks setzte es eine Strafzeit gegen Bayreuth, doch die Überzahl dauerte nur 25 Sekunden. Julian Eichinger musste gegen einen enteilten Gegenspieler ein Notfoul ziehen. Zwei Minuten vor Ende ging Tigers Coach Petri Kujala volles Risiko und nahm den Torhüter zugunsten eines fünften Feldspielers vom Eis.

Es spielten sich dramatische Szenen vor dem Ravensburger Tor ab, doch dann kam es zum 2:1-Break in Richtung leeres Tor. Weil der Pass zu ungenau kam, wurde die Entscheidung verpasst – mit herber Konsequenz. Bayreuth war dann wieder komplett und nutzte die doppelte Überzahl zum 5:5-Ausgleich. 18 Sekunden standen noch auf der Uhr.

Es ging in die Verlängerung mit fast fünf dramatischen, aber torlosen Minuten. Eigentlich hatten sich alle Zuschauer schon auf ein Penaltyschießen eingestellt, dann aber setzten sich die Towerstars noch einmal in der gegnerischen Zone fest und Sam Herr schlenzte 0,6 Sekunden vor Ende der Overtime den Puck zum 6:5 und der endgültigen Entscheidung ins Netz.

„Ein Auswärtsspiel in Bayreuth ist immer verdammt schwer und das hat sich auch dieses Mal wieder bestätigt“, erklärte Towerstars-Coach Peter Russell nach dem Spiel. „Leider hatten wir eine 4:2-Führung hergegeben, aber die Jungs haben am Ende viel Moral gezeigt.“