Deutscher Alpenverein Ravensburg plant Erweiterung des Vereinszentrums

Deutscher Alpenverein Ravensburg plant Erweiterung des Vereinszentrums
Eingangsbereich des im Jahr 2013 eröffneten Vereinsheims des DAV Ravensburg. Der Verein plant, das Gebäude in südlicher Richtung zu verlängern und teilweise aufzustocken. (Bild: DAV Ravensburg)
WOCHENBLATT
Redaktion

Ravensburg (wb/dpi) Die Sektion Ravensburg des Deutschen Alpenvereins (DAV) plant eine Erweiterung ihres Vereinszentrums im Sportzentrum Rechenwies in Ravensburg. Das Gebäude von Ravensburgs nach Mitgliedern größtem Verein soll verlängert und zum Teil durch ein weiteres Stockwerk vergrößert sowie um eine Boulderanlage im Außenbereich ergänzt werden, wie der Vorstand des DAV Ravensburg auf seiner Mitgliederversammlung erläuterte.

„Wir werden die Pläne Anfang Oktober im Sportausschuss des Ravensburger Gemeinderats vorstellen“, sagte Markus Braig, der erste Vorsitzende des DAV Ravensburg, am Donnerstagabend bei dem Treffen der Vereinsmitglieder in der Gaststätte Sennerbad in Ravensburg.

Der DAV Ravensburg plant, in der Erweiterung unter anderem einen Jugendraum, einen Vortragsraum sowie Mehrzweck- und Verwaltungsräume unterzubringen, die auch von Gymnastik- und Sportgruppen genutzt werden können. Die Erweiterung soll das vorhandene, im Jahr 2013 eröffnete Gebäude in südlicher Richtung verlängern. „Es hat sich gezeigt, dass wir bei der Planung des Vereinszentrums, als wir aus der Marktstraße nach Rechenwies gezogen sind, zu vorsichtig waren“, sagte Braig weiter. „Als unser neues Zuhause fertig war, war es schon zu klein.“

Der Boulderblock, mit dem der DAV vor allem Kindern und Jugendlichen Sport- und Kletterangebote machen wird, ist als Ergänzung der DAV-Kletterbox in der Brühlstraße und des Kletterturms in der Schlierer Straße geplant und soll auf der südlichen Freifläche hinter dem erweiterten Vereinszentrum realisiert werden. „Bouldern ist zum Trendsport geworden, vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Pandemie ist es wichtig, dass wir unsere Kindern wieder in Bewegung bekommen“, erläuterte Braig.

Der DAV Ravensburg erhält die für die Erweiterung benötigte Fläche von der Stadt Ravensburg im Erbbaurecht für 25 Jahre. So sind auf alle Fälle die Planungen des Vereins – der Ravensburger Gemeinderat muss diesem Plan noch zustimmen. Für die vom Turn- und Sportverein (TSB) Ravensburg geplante Tribüne auf dem benachbarten Grundstück wird eine Fläche vorgehalten, so dass der TSB die Tribüne für den Sportplatz, der von Osten her das Gelände des DAV Ravensburg begrenzt, zu einem späteren Zeitpunkt bauen kann. Die Pflege dieser Fläche übernimmt bis dahin der DAV. „Dies ist eine sehr gute Lösung für beide Vereine, und beide Vereine können nun ihre Pläne weiter vorantreiben“, sagte Braig.

Im Jahr 2022 soll eine Projektgruppe des DAV Ravensburg die Planungen für die Erweiterung des Vereinszentrums im Detail ausarbeiten, der Spatenstich könnte dann in der zweiten Jahreshälfte 2022 erfolgen, die Hauptbauarbeiten sind für das Jahr 2023 geplant. Die Boulderanlage soll dagegen im Jahr 2022 geplant und gebaut werden. Finanzieren will der Verein die Erweiterung der Vereinszentrums und die Boulderanlage aus Rücklagen, Darlehen und Fördermitteln des Württembergischem Landessportbunds. Eine Schätzung, was das Projekt insgesamt kosten wird, gibt es noch nicht. „Wir können uns das leisten, der Verein ist ertragskräftig und finanziell gut aufgestellt“, sagte Schatzmeister Marc Walser bei der Vorstellung der Haushaltszahlen mit Blick auf die Rücklagen des DAV Ravensburg.

Der DAV Ravensburg hat auch das Corona-Jahr 2020 mit schwarzen Zahlen abgeschlossen – auch wenn die Einnahmen um fast 15 Prozent auf rund 681.000 Euro zurückgegangen sind. Wegen der Beschränkungen aufgrund der Pandemie war der wirtschaftliche Betrieb der Ravensburger Hütte im österreichischen Lechquellengebirge, des Ravensburger Hauses in Steibis im Allgäu sowie vor allem der Kletterbox nicht einfach. Allein in der Kletterbox beliefen sich die Verluste für den DAV auf mehr als 50.000 Euro, weil wegen Corona lange nicht so viele Kletterer kommen konnten.

Trotz all dieser Beschränkungen erwirtschaftete der Verein insgesamt ein Plus von etwas mehr als 12.000 Euro. Einen ordentlichen Haushalt für 2021 hat der DAV aufgrund dieser Schwierigkeiten – wie im vergangenen Jahr – nicht aufgestellt. Grundsätzlich gelte auch für das laufende Jahr ein Investitionsstopp, erläuterte Walser, der hofft, dass sich die Einnahmen und die finanzielle Situation im Jahr 2022 wieder normalisieren. „Wir fahren weiter auf Sicht“, erklärte der Schatzmeister des DAV Ravensburg.

Nach einer sehr kontroversen Diskussion verabschiedeten die Mitglieder des DAV Ravensburg zudem mit klarer Mehrheit ein Umweltprofil, das eine Projektgruppe zuvor erarbeitet hatte und mit dem der Verein sich Regeln gibt, um dem eigenen Anspruch nicht nur als Bergsportverein, sondern auch als Naturschutzorganisation gerecht zu werden. Umstritten war vor allem, ob der DAV künftig auch Touren anbieten darf, die Flugreisen einschließen.

Mehrere Mitglieder argumentierten, dass sich Naturschutz und Tourenziele, die nur mit dem Flugzeug zu erreichen sind, ausschließen. Andere Bergsportler forderten, dass das den einzelnen Mitgliedern überlassen bleiben solle, die selbst entscheiden müssen, ob sie an solchen Touren teilnehmen. In der Abstimmung lehnten die Mitglieder ein Verbot von Flugreisen ab, entschieden sich aber, den Hinweis aufzunehmen, dass bei der Planung der Touren darauf zu achten ist, „dass Flugreisen eine besonders schlechte Umweltbilanz aufweisen und daher möglichst zu vermeiden sind.“

Hochtourenkurs des DAV Ravensburg. Gratbegehung oberhalb des Jamtalgletschers in der Silvretta in den östlichen Zentralalpen.
Hochtourenkurs des DAV Ravensburg. Gratbegehung oberhalb des Jamtalgletschers in der Silvretta in den östlichen Zentralalpen. (Foto: DAV Ravensburg)

Der Deutsche Alpenverein, 1869 gegründet, verkörpert heute mit fast 1,4 Millionen Mitgliedern in mehr als 350 selbstständigen Sektionen und einer Stiftung die weltweit größte Vereinigung von Alpinisten. Die Sektion Ravensburg hat aktuell 9255 Mitglieder und bietet Wintertouren (Skitouren, Schneeschuhwandern, Langlauf klassisch und Skating), Sommertouren (Wandern, Bergwandern, Klettersteige), Sportaktivitäten (Klettern, Mountainbike, Gymnastik, Triathlon, Ski alpin), Seniorensport (Wandern, Bergwandern) sowie Angebote für Kinder und Jugendliche (Klettern, Skitouren, Freizeiten Sommer/Winter, Training Klettern/Triathlon) sowie Familien (Klettern, Freizeiten Sommer/Winter, Canyoning). Zudem bildet er Tourenleiter in den Bereichen Skitouren, Lawinen, Eis, Langlauf, Klettern, Erste Hilfe, Hochtouren, Canyoning und Mountainbike aus.