Depressionen und Angststörungen haben während Corona zugenommen – Frauen sind häufiger betroffen

Depressionen und Angststörungen haben während Corona zugenommen – Frauen sind häufiger betroffen
Im Jahr 2020 wurden in der Region Bodensee-Oberschwaben 27.363 AOK-Versicherte wegen Depressionen oder Angststörungen behandelt, davon 9.012 Männer und 18.351 Frauen. (Bild: picture alliance / dpa Themendienst | Franziska Gabbert)
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Redaktion

Bodensee/Oberschwaben (pr/le) – Im Laufe eines Jahres erkranken in Deutschland knapp 23 von 100 Frauen und rund 9 von 100 Männern im Alter von 18 bis 79 Jahren an einer Angststörung. Eine Depression tritt im Laufe eines Jahres bei etwa 11 Prozent der Frauen und 5 Prozent der Männer auf. Was die Entwicklung während der Corona-Pandemie betrifft, zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass weltweit die Anzahl derer, die innerhalb eines Jahres an einer Depression oder Angststörung erkranken, um rund ein Viertel zugenommen hat.

Eine aktuelle Auswertung der AOK bestätigt einen Anstieg der Zahlen

So wurden 2020 in der Region Bodensee-Oberschwaben 27.363 AOK-Versicherte wegen Depressionen oder Angststörungen behandelt, davon 9.012 Männer und 18.351 Frauen. Im Jahr 2016 waren es noch 25.056 betroffene Versicherte. Im Landkreis Ravensburg waren 2020 mit 11.541 Personen 12 Prozent der Versicherten wegen Angststörungen oder Depressionen in Behandlung.

Betroffene erleben diese Ängste häufig als psychisch und körperlich sehr intensiv

„Grundsätzlich ist Angst eine sinnvolle Reaktion“, sagt Markus Packmohr, Geschäftsführer der AOK Bodensee-Oberschwaben. „Sie warnt vor Gefahren und versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. Ist die Gefahr vorbei, verschwindet normalerweise auch die Angst. Tritt Angst in eigentlich ungefährlichen Situationen auf und ist der tatsächlichen Bedrohung nicht angemessen, handelt es sich um eine Angststörung.“ Betroffene erleben diese Ängste häufig als psychisch und körperlich sehr intensiv. Die Ursachen einer Angststörung sind nicht abschließend geklärt. Es handelt sich offenbar um ein Zusammenspiel erblicher, neurobiologischer und psychologischer Faktoren.

Bei der Entstehung einer Depression wirken verschiedene Faktoren zusammen

Eine Depression äußert sich durch ein länger anhaltendes Gefühl von Traurigkeit. Typische Anzeichen für eine depressive Erkrankung sind gedrückte, depressive Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit sowie Antriebsmangel. Auch verminderte Konzentration, vermindertes Selbstwertgefühl, übertriebene Zukunftsängste oder Gedanken, sich selbst zu töten, können bei einer Depression auftreten. Zu den körperlichen Beschwerden zählen beispielsweise Magen-Darm-Probleme, Schmerzen, Schwindel oder Luftnot. „Auch bei der Entstehung einer Depression wirken verschiedene Faktoren zusammen, deren Rolle individuell unterschiedlich ist“, ergänzt Markus Packmohr. Mögliche Risikofaktoren sind erbliche Veranlagung, ein Mangel oder Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn, psychische Faktoren, wie anhaltender Stress oder Einsamkeit, belastende Erlebnisse und Persönlichkeitsmerkmale, wie mangelndes Selbstvertrauen.

Familiencoach Depression von der AOK

Der AOK-Geschäftsführer hebt hervor: „Eine Depression ist nicht nur für den Erkrankten selbst eine enorme Herausforderung. Auch Familienmitglieder, Partner und Freunde geraten häufig an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Aus diesem Grund hat die AOK den Familiencoach Depression entwickelt: das erste Online-Programm, das sich speziell an Angehörige von depressiven Menschen wendet.“

Weitere Informationen unter www.aok.de/bw/familiencoach-depression