Coronaopfer Heimtiere

Coronaopfer Heimtiere
orona und seine tierischen Folgen: Laut IVH und ZFF stieg die Zahl der Hunde, Katzen und Kleintiere in deutschen Haushalten innerhalb von 12 Monaten um fast eine Million Tiere auf knapp 35 Millionen. (Bild: Pixabay)
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Redaktion

Die Coronakrise hat viele Auswirkungen. Dies zeigt sich nun ebenfalls in den Tierheimen.

Im vergangenen Jahr wurden so viele Heimtiere gekauft, wie nie zuvor. Viele Menschen waren plötzlich zum Zuhausebleiben gezwungen. Homeoffice und Homeschooling waren an der Tagesordnung. Um diese düstere Zeit zu überbrücken, suchten viele Trost in tierischer Gesellschaft. Leider oft ohne richtig nachzudenken. Zahllose Tiere sind nun die Leidtragenden. Der Landestierschutzverband fordert erneut eine umfassende Heimtierverordnung, um unüberlegte Tierkäufe und -zuchten zu verhindern.

Eine Veröffentlichung des Zoofachhandels macht es deutlich: 2020 wurde bundesweit so viel in Heimtiere und Heimtierzubehör investiert, wie noch nie.

Laut Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) und Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZFF) stieg die Zahl der Hunde, Katzen und Kleintieren in deutschen Haushalten innerhalb von 12 Monaten um fast eine Million Tiere auf knapp 35 Millionen.

Die Coronakrise und die damit verbundenen Einschränkungen hat dazu geführt, dass viele MitbürgerInnen sich tierische Gesellschaft zulegten.

Was den Handel freut wird jetzt allerdings vielen Tieren und damit Tierheimen zum Verhängnis

Sobald der normale Alltag ansatzweise zurückkehrt, bleibt kaum mehr Zeit für Tiere. Schnell werden diese lästig, entsprechend vernachlässigt und müssen wieder weg. In den Tierheimen ist diese „Wegwerfmentalität“ unserer Konsumgesellschaft bereits angekommen. Sie sollen die ungewollten Tiere schnellstmöglich aufnehmen und viele kommen bereits an ihre Kapazitätsgrenzen.

Besonders erschreckend ist für den Vorsitzenden des Landestierschutzverbandes, Stefan Hitzler, die Kaltschnäuzigkeit mancher Tierhalter: „Sieht sich ein Tierheim nicht in der Lage beispielsweise einen Hund sofort aufzunehmen, kommt ganz schnell die Drohung ihn dann eben auszusetzen. Es ist den Leuten vollkommen egal, was mit dem Tier weiter passiert.“

Schnell gekauft und genauso schnell wieder vergessen

Doch nicht nur Hunden und Katzen droht dieses Schicksal jetzt vermehrt, auch zahllosen Kleintieren wurde der Coronaheim-Tierboom bereits zum Verhängnis. Schnell gekauft und genauso schnell wieder vergessen, haben sie Glück, wenn sie es noch rechtzeitig in die fachliche Betreuung eines Tierheims schaffen. Fast verhungerte Kaninchen, Meerschweinchen mit überlangen Krallen und Hauterkrankungen oder verfilztem Fell sind keine Seltenheit.

Zahnfehlstellungen können zum Tod führen.
Zahnfehlstellungen können zum Tod führen. (Bild: Landestierschutzverband Bawü)

Besonders schlimm trifft es Tiere, die schon zuchtbedingt gehandicapt sind. Kurzköpfige Zwergkaninchen beispielsweise neigen zu Zahnfehlstellungen, die regelmäßig tierärztlich korrigiert werden müssen. Wird das versäumt, wachsen die Zähne stets weiter und sie verhungern qualvoll oder sterben an Zahnabszessen.

„Um Tieren ein solches Schicksal zu ersparen, ist es immens wichtig, potentielle Tierhalter dazu zu verpflichten sich vor dem Kauf von Tieren ausreichend über deren Bedürfnisse und Ansprüche zu informieren,“ fordert Stefan Hitzler.

(Quelle: Landestierschutzverband Bawü)