Bundeskanzlerin Merkel eröffnet mit einem Grußwort die 1. Assembly on Women, Faith & Diplomacy

Bundeskanzlerin Merkel eröffnet mit einem Grußwort die 1. Assembly on Women, Faith & Diplomacy
Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde bei der Eröffnungszeremonie in Lindau live zugeschaltet. (Bild: RfP)
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Redaktion

Vertreterinnen und Vertreter von Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum, Islam und anderer Religionen sprechen vier Tage lang virtuell über neue Formen der Politikgestaltung – Fokus liegt auf Frauen und Diplomatie

Lindau – Über 600 Teilnehmende aus mehr als 60 Ländern treffen sich am Dienstagmittag virtuell, um die 1st Assembly on Women, Faith & Diplomacy der interreligiösen Nichtregierungsorganisation Religions for Peace zu eröffnen. Das gemeinsame Ziel: neue Wege zu beschreiten, um den interreligiösen Dialog auch in schwierigen Zeiten zu fördern. Vier Tage lang  findet, überwiegend virtuell und organisiert von einem Steuerungsteam in Lindau am Bodensee, die erste internationale Versammlung speziell zum Thema Frauen, Glauben und Diplomatie statt.

(Bild: RfP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet die Versammlung virtuell und nimmt in ihrem Grußwort Bezug auf den islamistischen Terror in den letzten Wochen in Österreich, Frankreich und Deutschland: „Die Ereignisse der letzten Zeit zeigen eindrücklich, wie wichtig auch der Dialog zwischen den Religionen ist. Wir dürfen Extremisten keinen Raum lassen, die in ihrer menschenverachtenden Verblendung Religion dazu missbrauchen, Zwietracht zu säen und unser friedliches Zusammenleben zu untergraben. Wie wichtig dies ist, zeigen auch die abscheulichen Geschehnisse in Dresden, Frankreich und in Wien im Herbst dieses Jahres.“ Zudem betont Merkel die entscheidende Rolle von Frauen im Dialog zwischen den Religionen: „Religionen sehen sich ja gerade auch im gemeinsamen Streben nach Frieden verbunden. Und wir wissen: Frieden ist nur dann nachhaltig, wenn Frauen am Friedensprozess beteiligt sind.“

Neben Bundeskanzlerin Merkel werden auch der UN-Generalsekretär António Guterres und die Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt Michelle Müntefering virtuelle Grußworte halten. Begleitet und finanziert wird die Versammlung vom Auswärtigen Amt. Im Rahmen der Auftakt-Pressekonferenz sagte Andreas Görgen, Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt: „Religionsvertreterinnen spielen eine zentrale Rolle in der Konflikttransformation, im Bildungs- und Gesundheitssektor, im humanitären Bereich und in der Umsetzung von gemeinschaftsorientierten Aktivitäten. Diese Arbeit, die eine Hoffnungsbotschaft in sich trägt, ist in Zeiten der globalen Coronapandemie besonders wichtig. Wir freuen uns daher sehr, dass diese Konferenz nun stattfindet und unterstützen sie von Herzen.“

Unter dem Motto „Keeping Faith, Transforming Tomorrow“ werden die Teilnehmenden über die weltweite Rolle von Frauen, ihre Herausforderungen bei der Führungsverantwortung und Politikgestaltung, ihre Verantwortlichkeiten bei der multireligiösen Friedensförderung sowie bei der internationalen Entwicklung sprechen. Für die Generalsekretärin von Religions for Peace, Azza Karam ist der wachsende Einfluss von Frauen, um weltweit zu mehr Frieden und Sicherheit beizutragen, eine wesentlicher Schwerpunkt. Das Ziel der Versammlung: Frauen und Glaube in den Kontext der Diplomatie einzubeziehen.

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Margot Käßmann, Landesbischöfin i. R. der ev. -luth. Landeskirche Hannover und Mitglied im Council von Religions for Peace, stellte auf der Pressekonferenz das Programm für die kommenden Tage vor. Die vier Schwerpunkte sind die Themen Leadership mit dem Fokus auf Frauen sowohl in formellen als auch informellen Führungspositionen, die Rolle und die besonderen Fähigkeiten von Frauen bei Friedenssuche und Konfliktmanagement, die wertebasierte Bildung als Fundament für eine friedlichere globale Gesellschaft sowie das Thema Umweltschutz. Käßmann betonte: „Meiner Erfahrung nach setzen Frauen Macht anders ein als Männer: beim Erreichen ihrer Ziele und dem Weg dorthin bemühen sie sich um Transparenz, sie nutzen ihre Kontakte und wollen andere überzeugen – ruhig, aber entschlossen. Und trotzdem sind Frauen in Führungspositionen weiterhin in der Minderheit. Das ist bedauerlich – denn gerade in Friedensprozessen sollten die besonderen Fähigkeiten von Frauen viel häufiger genutzt werden.“

(Bild: RfP)

Die virtuelle Konferenz wird durchgeführt von der Stiftung Friedensdialog der Weltreligionen und Zivilgesellschaft (Ring for Peace) mit Sitz in Lindau und deren Vorstand Prof. Wolfgang Schürer, der seit 2019 auch Trustee und Ehrenpräsident von Religions for Peace ist. Schürer liegt die Stärkung weiblicher Führung bei religiös unterstützten Friedensprozessen am Herzen: „Gerade im Umgang mit der aktuellen Pandemie haben weibliche Führungspersönlichkeiten wie Angela Merkel, Jacinda Ardern oder Tsai Ingwen gezeigt, dass sie ihre Länder oftmals besonders gut durch die Krise führen und ein größeres Verantwortungsbewußtsein im Sinne des Gemeinwohls aufbauen können. Diese weiblichen Stärken braucht es auch bei religiösen Führungskräften, um bei der Unterstützung von Friedensprozessen eine Kultur der Inspiration und Hoffnung zu schaffen.“

Der Geschäftsführer der Stiftung Ulrich Schneider betonte, dass für das rund 80-köpfige Leitungsteam, das die Konferenz von Lindau aus steuert, ein umfangreiches COVID-19- Infektionsschutz- und Hygienekonzept bestehe, das deutlich über den gesetzlichen Anforderungen liege. So gibt es eine Hygienebeauftragte und alle Personen, die die Inselhalle in Lindau betreten, werden täglich getestet.

Am 11. November gibt es zudem eine interreligiöse Peace & Light Zeremonie am im vergangenen Jahr erbauten Ring for Peace, einem interreligiösen Friedenssymbol, im Lindauer Luitpoldpark. 

Ring of Peace