Borkenkäfer im Staatswald: Kleines Insekt, große Herausforderung

Borkenkäfer im Staatswald: Kleines Insekt, große Herausforderung
In unserer Region ist der Buchdrucker der gefährlichste Borkenkäfer und Forstschädling. (Bild: Forst BW/Archiv)
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Redaktion

Region (pr/le) – Die Schäden, die der Borkenkäfer anrichtet, haben weitreichende Folgen für die Holzwirtschaft und auch fürs Klima. Max Reger, Vorstandsvorsitzender von ForstBW: „Der Borkenkäfer stellt auch für die Staatswälder in Baden-Württemberg eine große Gefahr dar. Wir setzen deshalb darauf, die Vermehrung der Käfer nicht nur kurzfristig, sondern langfristig einzudämmen“.

Fichte ist besonders gefährdet

Warme und trockene Tage im späten Frühling und beginnenden Sommer — nicht nur wir Menschen sind davon begeistert, sondern auch der Borkenkäfer. „Sobald die Temperaturen klettern, verlassen die ersten Insekten ihre Winterunterkunft in Stämmen oder Stöcken von Nadelbäumen und fliegen aus“, erklärt Max Reger. Besonders auf die Fichte habe es der „Große Achtzähnige Borkenkäfer“ abgesehen, der unter dem Namen Buchdrucker bekannt ist.

Mit Duftstoffen Artgenossen anlocken

Bei ihrer Suche nach Nahrung und idealen Brutbedingungen verlassen sich die Insekten hauptsächlich auf ihren Geruchssinn. „Sobald das Männchen den verräterischen Duft einer geschwächten Fichte wahrnimmt, bohrt es sich in die Rinde des Baumes. Dabei lockt er selbst mit Duftstoffen weitere Artgenossen an, sich ihm anzuschließen“, beschreibt der Vorstandsvorsitzende von ForstBW das Vorgehen der Insekten.

Trockene Jahre helfen dem Borkenkäfer

Nach der Paarung und Eiablage fressen sich sowohl die ausgewachsenen Käfer als auch ihre Larven in verzweigten Gängen unter der Rinde vorwärts. Diese erinnern entfernt an eine aufgeschlagene Buchseite. Nun wird auch klar, woher der Schädling seinen Namen hat. „Besonders die trockenen Jahre 2018 – 2020 haben dem Borkenkäfer zu einer enormen Verbreitung verholfen. Die Fichten sind unter solchen Bedingungen mit dem Kampf ums Überleben beschäftigt, da haben sie keine Energie mehr, um sich mit Harz gegen Angriffe der Insekten zu verteidigen“, erläutert der Forstexperte.

Im Norden sind die Schäden noch größer

„Der Buchdrucker und andere Organismen finden somit ideale Bedingungen vor, um sich zu vermehren. Deshalb haben wir es in den vergangenen Jahren mit deutlich mehr Insekten zu tun bekommen als bislang gewohnt. Meist wachsen ein bis zwei, in extremen Jahren sogar bis zu drei Generationen in nur einem Jahr heran.“ Und doch sei Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern gut weggekommen. „Blickt man nach Norden, sind die Schäden an den Fichtenwäldern deutlich größer als im Südwesten.

Baumartenmischung und Naturnaher Waldbau als Schutz

Aber auch hier, gerade im Schwarzwald und im Oberland sind viele Fichten durch den Käfer befallen worden“, so Max Reger. Und man dürfe sich keinesfalls in Sicherheit wiegen durch die etwas kühleren und feuchteren Jahre 2021 und 2022. „Die Käfer sind nicht einfach weg. Die Population wird nur langsam kleiner in solchen Jahren und kann jederzeit wieder explodieren, sobald sich die Bedingungen für sie verbessern“. Baumartenmischung und Um den Insekten künftig weniger Nahrung und Brutmöglichkeiten zu bieten, setzt ForstBW vor allem auf waldbauliche Methoden. Max Reger: „Wir achten sehr auf eine ausgewogene Mischung von Baumarten in unseren Staatswäldern.

Baumarten werden gefördert

Außerdem fördern wir Baumarten, die auch mit trockeneren Bedingungen und extremen Wetterereignissen besser zurechtkommen. Solche Bäume können sich leichter gegen Besiedlung durch Insekten oder auch Pilze wehren.“ Ein engmaschiges Monitoring hilft den Försterinnen und Förstern von ForstBW dabei, befallene Bäume schnell zu erkennen. „Wir ernten diese Bäume schnellstmöglich und schaffen sie aus dem Wald, damit wir den Käfern wenig Brutmaterial zur Verfügung stellen“.

Nicht nur ein Borkenkäfer

Oft ist nur von „Der Borkenkäfer“ die Rede. „Hier muss man unterscheiden. Es gibt allein an der Fichte mehrere Arten. Eine davon ist der Buchdrucker, eine andere der Kupferstecher, der eher junge Bäume und herumliegende Baumkronen befällt. Aber auch an der Tanne, an der Lärche und an verschiedenen Laubbaumarten kommen angepasste Borkenkäferarten vor“, weiß der Forstexperte. Und damit nicht genug: „Zwar bevorzugen die Arten jeweils eine einzelne Baumart, sie sind aber nicht ausschließlich darauf festgelegt“.

Wichtig ist vor allem der vorausschauende Waldbau

Das bedeute, dass bei einer extremen Käferpopulation auch andere Bäume befallen werden. „Wir können uns also nicht darauf verlassen, dass es reicht, die befallenen Fichten zu finden und zu ernten. Denn in einem gemischten Wald findet beispielsweise der Buchdrucker viel weniger Nahrung als in reinen Fichtenbeständen.

Damit bremsen wir die Vermehrung aus und streuen das Risiko, dass ganze Waldbestände vom Borkenkäfer vernichtet werden. Solche Katastrophen gilt es auch mit Hinblick auf den Klimawandel unbedingt zu vermeiden“, so Max Reger. „Wir müssen uns bewusst machen, dass wir die Natur zwar innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen lenken können, ihr aber nicht einfach den menschlichen Willen aufzwingen. Deshalb arbeiten wir bei ForstBW mit der Natur und nicht gegen diese.“

(Pressemitteilung: Forst Baden-Württemberg/le)