Bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum fürs Handwerk schaffen

Bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum fürs Handwerk schaffen
Erschwingliche Mietpreise sind Voraussetzung für Gewinnung von Fachkräften in der Region. Die Handwerkskammer Ulm erhebt Daten und erstellt gewerblichen Mietspiegel. (Bild: Pixabay)
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Redaktion

Im Handwerk – wie in der gesamten Wirtschaft – gibt es derzeit einen hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Wichtige Zukunftsaufgaben wie die Energie- und Klimawende können nur gestemmt werden, wenn ausgebildete Handwerkerinnen und Handwerker sie in der Praxis umsetzen. Denn sie sind es, die neue Technologien auf die Dächer und in die Keller der Kundinnen und Kunden bringen.

Damit mehr junge Menschen den Weg ins Handwerk finden und eine Ausbildung beginnen, braucht es aber bezahlbaren Wohnraum für sie – und das in unmittelbarer Nähe des Betriebs. Denn wenn die Fahrt zur Ausbildungsstelle zu mühsam ist, entscheiden sich potenzielle Nachwuchskräfte oftmals gegen eine handwerkliche Lehre.

Auszubildende pendeln durchschnittlich mehr als 30 Kilometer bis zu ihrer Betriebsstätte. „Azubis und qualifizierte Fachkräfte wollen vor Ort arbeiten und wohnen. Die Ausbildungsstelle muss gut erreichbar und die Miete erschwinglich sein. Diesen Spagat müssen die Städte und Gemeinden schaffen“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.

Zudem brauchen auch Handwerksbetriebe erschwingliche Flächen zum Siedeln und Entwickeln. Flächenpotenziale für Betriebe in Form von Freiflächen, Leerständen oder mindergenutzten Grundstücken erweisen sich häufig als nur eingeschränkt verfügbar.

Für viele Firmen ist der Mangel an betrieblichen Erweiterungsflächen eine Herausforderung. „Wir müssen das Handwerk siedeln und sich ausdehnen lassen – zu bezahlbaren Preisen. Damit eine Region lebenswert und attraktiv ist und bleibt, brauchen Menschen und Wirtschaft eine gute Nahversorgung. Die Bürger wollen und müssen weiter mit wichtigen Handwerkerleistungen versorgt werden können“, sagt Mehlich. Und weiter: „So hängen unsere derzeitigen großen Probleme zusammen: Kein Raum zum Siedeln fürs Handwerk oder zum Wohnen der Beschäftigten bedeutet weniger Fachkräfte, bedeutet weniger Handwerk. Dieser drohende Wohlstandsverlust ist besonders für Städte eine große Herausforderung.“

Um sich besser an den marktüblichen Mieten orientieren zu können, erstellt die Handwerkskammer Ulm regelmäßig einen gewerblichen Mietspiegel für die Regionen des Kammergebiets. Im Rahmen der diesjährigen Erhebung werden derzeit alle knapp 20.000 Mitgliedsbetriebe zu ihren Mietverhältnissen befragt. Die Handwerkskammer wertet die ermittelten Daten anschließend aus. Der Mietpreisspiegel liefert den Betrieben eine Übersicht über die Bestandsmieten von Einzelhandels-, Büro-, Produktions- und Lagerflächen in den Landkreisen und Gemeinden des Gebiets der Handwerkskammer Ulm.

Der gewerbliche Immobilienmarkt ist in Teilen des Kammergebiets intransparent. Ziel ist es, diese Lücke zu schließen und den Handwerksbetrieben eine praktische Orientierungshilfe zum Vermieten und Mieten von gewerblichen Immobilien an die Hand zu geben – denn Mieten sind häufig nach den Personalkosten einer der größten Kostenblöcke für die Unternehmen. 

(Pressemitteilung: Handwerkskammer Ulm)