Bergwacht Bayern zieht Bilanz (Winter 2020/21): „Viele Menschen, weniger Verletzte, schwierige Einsätze“

Bergwacht Bayern zieht Bilanz (Winter 2020/21): „Viele Menschen, weniger Verletzte, schwierige Einsätze“
Wenn schlechte Wetterbedingungen den Einsatz eines Hubschraubers verhindern, sind mehrstündige Einsätze keine Seltenheit. (Bild: Bergwacht Bayern/Markus Leitner)
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Redaktion

Die vergangene Wintersaison war keine Gewöhnliche für die Bergwacht Bayern. Trotz geschlossener Skigebiete nutzten eine Vielzahl von Menschen die sich bietenden Möglichkeiten für Sport und Bewegung bzw. für einen Ausflug in die Berge im Kontext der Pandemie.

Ein gute Schneelage und die teilweise Beschneiung sowie Präparierung von Skipisten ermöglichten über einen langen Zeitraum die Möglichkeiten für Wintersport. Dies gilt im Besonderen für die Mittelgebirge, die zeitweise eine stabilere Schneelage vorweisen konnten als der Alpenraum. Dennoch ist die Gesamtzahl der Einsätze der Bergwacht stark gesunken.

Verdoppelung der Einsätze bei Skitourengehern

„Gewöhnlich sind im Winter die meisten Unfälle in den Skigebieten zu verzeichnen. Durchschnittlich ist die Bergwacht dort rund 4000-mal im Einsatz. In diesem Winter waren es knapp 65 Einsätze. Die Gesamtzahl der Einsätze für die Saison 2020/2021 sinkt damit von rund 5500 Einsätzen auf 1349 Einsätze“, stellt der Geschäftsführer der Bergwacht Bayern, Klaus Schädler fest. 

Skitourenausrüstung war teilweise nur mehr schwer erhältlich. Eine öffentliche Problematisierung dieser Entwicklung im Hinblick auf massenhaft verunfallte Skitourenanfänger ergab sich dennoch nicht – obwohl eine Verdoppelung der Einsätze beim Skitourengehen von durchschnittlich ca. 90 auf 189 Einsätze stattgefunden hat.

„Dieses Einsatzaufkommen war zu jeder Zeit von der Bergwacht beherrschbar, auch wenn Einsätze ohne die Unterstützung von Bergbahnen einen zeitlich größeren Aufwand erforderten“, resümiert Otto Möslang als Vorsitzender der Bergwacht Bayern. Mit Blick auf die große Anzahl der Skitourengeher in den geschlossenen Ski- und Tourengebieten erscheint diese Steigerung für ihn als logisch nachvollziehbar.

Gestiegene Anzahl der Verstorbenen

Die Zahl der Rodelunfälle von 152 und die Anzahl von 17 Unfällen beim Schneeschuhwandern bewegen sich in durchschnittlicher Höhe. Auffällig in diesem Winter sind die gestiegene Anzahl der Verstorbenen und die Anzahl der Einsätze für Personen, die in Bergnot geraten sind. 47 Personen verloren im Einsatzgebiet der Bergwacht Bayern ihr Leben. Dabei spielen internistische Ursachen eine erhebliche Rolle. 

139 Mal benötigten Menschen in Bergnot die Hilfe der Bergwacht, obwohl sie unverletzt gewesen sind

Im Vergleich zu den Vorjahren ein Höchstwert. „Dabei gab es Notsituationen, die jedem passieren können, der draußen unterwegs ist. Wiederholt begegneten die Bergretterinnen und Bergeretter dabei zum Teil aber auch sehr unbedarften Menschen im Hinblick auf deren Einschätzung zur Situation im winterlichen Gebirge“, bemerkt Klaus Schädler.

Der Nutzungsdruck auf die Mittelgebirge und insbesondere die bayerischen Alpen ist deutlich für die Bergwacht zu spüren. Betrachtet man die Zeiten der Einsätze, ist in diesem Winter ist eine signifikante Steigerung in der Zeit von 16.00 -20.00 Uhr zu verzeichnen.

Liegt der Durchschnitt bei rund 280 Einsätzen, waren es in diesem Jahr 364 Einsätze; dabei erfolgt die Betrachtung ohne die Berücksichtigung der Einsätze bei geöffneten Skigebieten beim Skifahren und Snowbaorden. „Technische ausgefeilte Ausrüstung und die Suche nach wenig frequentierten Wegen fordern die ehrenamtlichen Retter zu allen Tageszeiten und Wetterbedingungen und eben abseits von üblichen Wegverläufen“, stellt Klaus Schädler fest.

Wenn Dunkelheit und/oder schlechte Wetterbedingungen den Einsatz eines Hubschraubers verhindern, sind mehrstündige Einsätze keine Seltenheit, was insbesondere in den hochalpinen Lagen im vergangenen Winter in den Berchtesgadener Alpen mehrmalig passierte.

Beeindruckendes Engagement

Rettungstechnisch konnte sich die Bergwacht – was die Covid-Sicherheitsvorkehrungen betrifft – gut einstellen. Der Aufwand für Ausbildung und Training erforderte eine Vielzahl von Abstimmungs- und Planungsarbeit.

„Das gemeinschaftliche Leben ist ein wichtiger Teil der Bergwacht als ehrenamtliche Organisation. Dieser Teil ging im Kontext der Pandemie in den vergangenen Monaten spürbar verloren“, stellt Otto Möslang fest. „Gleichzeitig war in vielen der 109 Bergwacht Bereitschaften ein beeindruckendes Engagement und große Kreativität zu beobachten zur Bewältigung der Widrigkeiten in der Pandemie“, so Otto Möslang als Landesleiter der Bergwacht Bayern.

(Quelle: Bergwacht Bayern)