Dem Vergessen vorbeugen Azubis kümmern sich um Weltkriegsgräber

Azubis kümmern sich um Weltkriegsgräber
Die Auszubildenden des Berufsbildungswerks im Einsatz gegen Unkraut und Moos auf dem Soldatenfriedhof am Gardasee. (Bild: Stiftung Liebenau)
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Redaktion

„Arbeit für den Frieden“, was könnte gerade wichtiger sein? Für das gleichnamige Bildungsprojekt waren nun zahlreiche Auszubildende des Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) an Kriegsgedenkstätten am Gardasee und in Ravensburg im Einsatz.

Nicht zum ersten Mal kümmerten sie sich darum, Weltkriegsgräber zu pflegen und wieder herzurichten. Unterstützt und organisiert werden diese Einsätze vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. – und sie haben bereits eine lange Tradition.

Grabpflege am Gardasee

„Wie auf einem klassischen Friedhof sieht es in Costamarno nicht aus“, sagt Sabine Striegel. An einem Hügel, unweit des Gardasees, liegen die mit Heidekraut bepflanzten Terrassen der Kriegsgräberstätte, auf der über 22.000 Deutsche Soldaten und andere Kriegsopfer beigesetzt sind. Mit einer Gruppe von 16 Auszubildenden waren Ausbildende und eine Bildungsbegleiterin der Hauswirtschaft sowie der Gebäudereinigung im Berufsbildungswerk, nun in Norditalien für das Projekt „Arbeit für den Frieden“ zu Gast. Die Jugendlichen mit Teilhabebedarf, der zum Beispiel in einer Lernschwäche, psychischen Problemen oder einer Autismusstörung begründet sein kann, haben im Rahmen der Projektwoche die Grabpflege übernommen und sich dabei auch mit den historischen Hintergründen auseinandergesetzt.

„Seit acht Jahren kooperieren wir dazu mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern diese besonderen Auslandsaufenthalte ermöglichen und inhaltlich begleiten“, sagt Sabine Striegel, die das Projekt im BBW organisiert. Nach mehreren Besuchen in Straßburg-Cronenburg und einer längeren Coronapause, ging es zumindest für eine der Projektgruppen in diesem Jahr erstmals wieder auf Europareise.

Volksbund kümmert sich um 830 Gedenkstätten im Ausland

„Wir freuen uns sehr, dass die Einsätze in diesem Umfang wieder möglich waren“, sagte Sebastian Steinebach vom Volksbund. Die langjährige Verbindung zwischen Volksbund und BBW wurde im letzten Jahr im Rahmen einer Bildungspartnerschaft besiegelt.  „Letztes Jahr haben sich die Gruppen coronabedingt nur um den Ravensburger Hauptfriedhof gekümmert, aber so eine Auslandserfahrung ist noch mal etwas Besonderes“, so der Bildungsbeauftragte weiter.

Der Volksbund selbst ist eine humanitäre Organisation, die sich seit 1954 um Pflege und Instandhaltung der 830 Kriegsgedenkstätten im Ausland kümmert. Zum Auftrag gehörten ebenso die Förderung der Bildung und Begegnung junger Menschen an den Ruhestätten, zu denen auch die gut 12.000 Soldatenfriedhöfe in Deutschland zählen.

Friedhofsführung überrascht Jugendliche

So war erneut der Ravensburger Hauptfriedhof das Ziel für drei weitere Azubigruppen. Neben dem mehrstündigen Arbeitseinsatz gegen Unkraut und Moosflechte, sorgte eine Friedhofsführung für Überraschungsmomente bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sei es, weil sie nicht mit einer so großen Artenvielfalt heimischer Vögel gerechnet hätten oder zum ersten Mal eine Leichenhalle von innen gesehen haben. Die historischen Zusammenhänge kamen dennoch nicht zu kurz, wie Ausbilderin Birgit Wald sagte: „Gerade in der heutigen Zeit rückt der Krieg wieder näher an uns alle heran. Durch so ein Projekt möchten wir unseren Jugendlichen zeigen, dass Frieden nicht selbstverständlich ist und, dass man etwas für die Wahrung des Friedens tun kann.“

(Pressemitteilung: Stiftung Liebenau)