Ansprechpartner für Senioren in allen Lebenslagen: Die „Kümmerer“

Ansprechpartner für Senioren in allen Lebenslagen: Die „Kümmerer“
Die Kümmerer: Tanja Gray und Marc Schulz haben ein offenes Ohr für die Belange der Baienfurter Senioren. (Bild: privat)

Baienfurt (le) – Die Menschen bei uns werden immer älter. Mit dem Alter steigen aber bei vielen auch die Probleme. Damit die Lebensqualität erhalten bleiben kann und viele offene Fragen nicht unbeantwortet bleiben, hat die Gemeinde Baienfurt zwei „Kümmerer“ eingestellt: Marc Schulz von den Johannitern und Tanja Gray von der Stiftung Liebenau. Was konkret machen die zwei? Wir haben bei Marc Schulz nachgefragt.

Wie wird man ein „Kümmerer“ und was sind die Grundvoraussetzungen?

Kümmerer sollten gute Kenntnisse des Alterns in all seinen Dimensionen besitzen, ich habe zum Beispiel Pflegemanagement und Gerontologie studiert. Wie gutes Altern gelingen kann, ist die zentrale Frage der Gerontologie und ich hoffe, die ein oder andere Anregung geben zu können. Empathie, Leidenschaft und Freuden im Umgang mit Menschen können sicher auch nicht schaden.

Sie haben ein Büro im Rathaus und sind Ansprechpartner bei Fragen rund um das Thema „Älter werden in Baienfurt.“ Was sind die häufigsten Probleme und Anliegen der Senioren?

Wir haben erst angefangen Beratungen in Baienfurt durchzuführen, aber aus Erfahrung weiß ich, dass Menschen so lange wie möglich in der eigenen Häuslichkeit leben möchten und möglichst selbstbestimmt ihr Leben führen wollen. Hierfür kann man selbst viel tun, indem man z.B. versucht, körperlich und geistig „fit“ zu bleiben, soziale Kontakte pflegt und sich engagiert. Zur Unterstützung bietet unser System viele Leistungen wie z.B. den Hausnotruf oder Unterstützung im Haushalt an, was u.a. durch einen Pflegegrad finanziert werden kann.

Wieso hat gerade Baienfurt zwei „Kümmerer“? Werden hier die Leute älter als anderswo?

Die Gemeinde hat entschieden, im Rahmen des Projektes zwei Kümmerer zu beauftragen, um vor allem zu klären, welche Bedarfe bestehen und initial Dinge in Bewegung zu setzten. Corona hat viele Strukturen v.a. im ehrenamtlichen Bereich geschwächt und der demografische Wandel verlangt nach neuen Ansätzen. Zwei Kümmerer zeigen, wie wichtig es der Gemeinde ist, Baienfurt als einen lebenswerten Ort für alle zu erhalten und zu gestalten.

Machen Sie auch Hausbesuche zur Klärung der Wohnsituation?

Wenn das gewünscht wird, natürlich sehr gerne. Dies kann sehr hilfreich sein, um die Wohnsituation, das Wohnumfeld und damit die einhergehenden Ressourcen und Bedarfe individuell einschätzen zu können.  Zudem kann eine vertraute Umgebung für persönliche Gesprächsinhalte von Vorteil sein.

Raten Sie älteren Menschen, sich rechtzeitig allgemeine Infos über verschiedene Möglichkeiten einzuholen?

Auf jeden Fall! Prävention ist wie in vielen anderen Lebensbereichen das A und O. Aus der gerontologischen Forschung wissen wir, dass das Alter mit Verlusten aber auch mit Gewinnen einhergeht. Rechtzeitig seine Ressourcen zu stärken und aufkommende Verluste zu kompensieren, kann einen Zuwachs an Lebensqualität bedeuten und die selbständige Lebensführung lange unterstützen.

Wie sieht ein normaler Arbeitsalltag bei Ihnen aus?

Neben individuellen Beratungen steht viel Netzwerkarbeit auf dem Programm. Die Akteure und Angebote in der Region zu kennen und zu vernetzen ist die Grundlage einer guten Beratung und für optimale Unterstützung aller Interessierten. Wir wollen Ansprechpartner für alle Baienfurter sein.

Welchen Part übernimmt ihre „Kümmerer“-Kollegin Tanja Gray?

Frau Gray ist ausgebildete Fachkraft für Altenpflege und hat den Fachwirt für Organisation und Führung im Sozialwesen. Ihre Themenbereiche sind: Vorsorge, Wohnen im Alter, pflegerische Unterstützung zu Hause, Pflegeeinrichtungen, Präventive Hausbesuche und Pflegende Angehörige zuständig. Wir fungieren aber als Zahnrad und stehen im engen Kontakt.

Worin liegt die Ergänzung?

Unsere unterschiedlichen Ausbildungen und Erfahrungen ergänzen sich sehr gut. Es gibt viel voneinander zu lernen und als Team können wir mehr bewegen.

Sind Vorträge und Infoabende geplant?

In den Lebensräumen der Stiftung Liebenau gibt es am 25. November, 15.30 Uhr, einen Vortrag rund um das Thema Pflegeversicherung, die verschiedenen Einstufungen und die Hilfen, die betroffene Menschen beantragen können. In Planung ist auch ein Präventionsabend mit der Polizei, in dem es vorwiegend um Betrugsmaschen bei Senioren geht. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Vor was haben Sie selbst im Alter mal Angst?

Der Verlust von Autonomie und eine dementielle Erkrankung sind Schreckgespenster. Zum Glück weiß ich, dass man präventiv viel für sich tun kann und falls dies nicht ausreicht, verfügen wir in Deutschland über ein vielfältiges Unterstützungsangebot. Ich lerne auch sehr viel aus den Gesprächen mit älteren Menschen und ihren Angehörigen, was ich für mein eigenes Altern mitnehme.

Tanja Gray, Tel. 0751 / 5699400 – Mail: lebensraum.baienfurEt@stiftung-liebenau.de
Sprechzeiten: Mo. 13.30-16 Uhr, Do. 9-12 Uhr, Fr. 9-12 Uhr

Marc Schulz, Tel. 0751/400062, Mobil: 0172/4421551, Mail: kuemmerer@baienfurt.de
Sprechzeiten: Mo. 7.30-12 Uhr, Do. 14-18 Uhr, Fr. 9-12 Uhr

Für das Projekt „Ein Kümmerer für Baienfurt, ein Kümmerer für Sie“, das vom Europäischen Sozialfond des Landes Baden-Württemberg finanziert wird, beauftragte die Gemeinde Baienfurt die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. mit der Durchführung.

Weiter wurde die Stiftung Liebenau als Partner vom Gemeinderat mit ins Boot geholt.