Angehörige der Bundeswehr werden ab Donnerstag zur Unterstützung in das Kloster Reute und das Spital zum Heiligen Geist Bad Waldsee abgestellt

Angehörige der Bundeswehr werden ab Donnerstag zur Unterstützung in das Kloster Reute und das Spital zum Heiligen Geist Bad Waldsee abgestellt
(Bild: pixabay)
WOCHENBLATT
Redaktion

  • Nach Massentest im Gut-Betha-Haus gibt es weitere positive Testergebnisse im Alten- und Pflegekonvent im Gut-Betha-Haus
  • Aktuell sind 38 Bewohnerinnen und 10 Mitarbeiter betroffen, es sind noch keine schweren Verläufe bekannt
  • Angehörige der Bundeswehr werden ab Donnerstag zur Unterstützung in das Kloster Reute und das Spital zum Heiligen Geist Bad Waldsee abgestellt

Bad Waldsee/Reute – Nachdem zuerst am Samstag, 21.11.2020 sechs positive Corona-Tests bei Schwestern und ein Test bei einer Mitarbeiterin bekannt wurden, hat sich die Lage im Kloster Reute über das Wochenende zugespitzt.

Bis zum vergangenen Freitag hatten noch 16 Bewohnerinnen ein positives Testergebnis. Nach den am Freitag im Gut-Betha-Haus durchgeführten Tests sind 23 weitere Fälle hinzugekommen. Insgesamt 38 Bewohnerinnen und 10 Mitarbeiter im Gut-Betha-Haus, davon 6 pflegende Schwestern, wurden seit Beginn des Ausbruchs positiv auf das Corona-Virus getestet. Eine weitere Schwester wurde im Oberschwaben-Klinikum Ravensburg getestet, wohin sie nach einem Sturz verlegt werden musste. Dort wurde sie vorsorglich auf die Isolierstation verlegt. Nicht im Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch steht der Tod einer Bewohnerin am Samstag. Sr. Maria Hanna informierte noch am Wochenende die Verantwortlichen der Stadt Bad Waldsee über den aktuellen Verlauf. Die Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute steht seit Bekanntwerden der ersten Fälle in enger Abstimmung mit der Stadt und dem Gesundheitsamt in Ravensburg.

Sofort nach den ersten positiven Tests in der vergangenen Woche wurde das Gut-Betha-Haus unter Quarantäne gestellt und umfassende Sicherheitsmaßnahmen für Schwestern und Mitarbeiter getroffen. Am Mittwoch hatte ein Massenschnelltest in den anderen Konventen im Kloster Reute keine weiteren positiven Ergebnisse erbracht. Umso größer ist die Betroffenheit der Schwestern über die Situation im Gut-Betha-Haus. „Die Dynamik, mit der sich das Corona-Virus unter unseren alten und pflegebedürftigen Schwestern ausbreitet, schockiert uns alle“, sagt Sr. Maria Hanna. „Wir sind in großer Sorge um unsere Schwestern und Mitarbeiter und begleiten sie in unseren Gebeten und Gedanken. Wir haben noch keine schweren Verläufe und es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich die Lage entwickelt. In dieser schwierigen Situation danken wir allen, die uns Unterstützung, Hilfe und Anteilnahme angeboten haben“, so Sr. Maria Hanna weiter.

Die zwischenzeitlich angespannte Situation für die pflegenden Schwestern und Mitarbeitenden hat sich zum Wochenende hin etwas entspannt, nachdem einige Mitarbeiter aus der Quarantäne zurückgekehrt sind. Neben der Versorgung der Bewohnerinnen müssen strikte und aufwändige Schutzmaßnahmen eingehalten werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Zur Unterstützung der Schwestern und Mitarbeitenden werden auf Vermittlung der Stadtverwaltung in Bad Waldsee ab Donnerstag zehn Kräfte der Bundeswehr ins Kloster Reute abgeordnet. Zeitgleich werden weitere zehn Bundeswehrangehörige im ebenfalls betroffenen Spital zum Heiligen Geist in Bad Waldsee eingesetzt. Die Franziskanerinnen öffnen für die Unterbringung der Helfer ihr Bildungshaus Maximilian Kolbe, das nach Verkündung des „Lockdown light“ vorübergehend geschlossen wurde.

Die Bewilligung der Unterstützung durch die Bundeswehr ging bei der Stadtverwaltung am Dienstag, 1. Dezember ein. „Wir, sowie die Generaloberin des Klosters Reute und der Leiter des Alten- und Pflegeheims zum Heiligen Spital freuen uns sehr über die baldige Ankunft der Helfer“, erklärt Bürgermeister Matthias Henne. Bereits am Mittwoch, 2. Dezember werden Vertreter der Bundeswehr in Bad Waldsee und Reute erwartet, die die Lage vor Ort besichtigen. Ab Donnerstag werden dann die 20 Soldaten in den beiden Einrichtungen tatkräftig mitanpacken.

Die Bundeswehrangehörigen werden die Schwestern in Reute und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Spitals logistisch unterstützen, wie zum Beispiel bei der Essens- und Getränkeausgabe, beim Betten machen, bei Fahrdiensten oder der Vermittlung von Telefonaten mit Angehörigen.

Viel Zuspruch und Zeichen der Verbundenheit erhalten die Schwestern indes aus der Bevölkerung und vor allem von den Mitarbeitern der St. Elisabeth-Stiftung. Die Stiftung hat nach Bekanntwerden der ersten positiven Fälle schnell und unbürokratisch Unterstützung und Beratung bereitgestellt.

Hintergrund: Im Gut-Betha-Haus, das vom Mutterhaus räumlich getrennt ist, leben 62 hochbetagte und pflegebedürftige Schwestern der Franziskanerinnen von Reute. Es handelt sich dabei um ein Haus in der die Schwestern des Klosters gepflegt werden, in der nur Ordensschwestern leben. Die Schwestern werden von einem Team aus rund 40 Mitarbeitenden betreut.

Im Spital zum Heiligen Geist leben 75 Bewohner. 26 wurden bisher positiv auf Corona getestet. Von den insgesamt 82 Mitarbeitern sind 16 derzeit positiv getestet.

„Die Zahlen in unserem Spital steigen derzeit nicht mehr so stark an, deshalb bin ich optimistisch, dass hier die Spitzel überstanden ist und die Zahlen bald wieder abnehmen. Dennoch appelliere ich an alle, halten Sie die AHA-Regeln ein, Lüften Sie regelmäßig, reduzieren Sie ihre privaten und beruflichen Kontakte so gut es Ihnen möglich ist“, sagt Bürgermeister Matthias Henne.

Brigitte Göppel