50 Tage Ukraine-Krieg: So ist die Lage

50 Tage Ukraine-Krieg: So ist die Lage
Arbeiter helfen den Bewohnern eines Altenheims bei der Evakuierung aus dem ukrainischen Toretsk über eine Treppe. (Bild:Daniel Carde/ZUMA Press Wire/dpa)
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Redaktion

Russland zieht seine Truppen im Osten und Süden der Ukraine zusammen. Die USA und EU planen derweil eine massive Aufrüstung der Ukraine. Die Entwicklungen im Überblick.

Moskau/Kiew (dpa) – Im Kriegsgebiet konzentrieren sich die Gefechte auf die Ostukraine. In Kürze wird dort mit einer russischen Großoffensive gerechnet.

Die USA und die Europäische Union (EU), darunter auch Deutschland, wollen die Ukraine daher massiv aufrüsten. So wächst in Deutschland der Druck auf Kanzler Olaf Scholz (SPD), sich zur Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine durchzuringen.

Russland hatte die Ukraine am 24. Februar angegriffen. Aus der Umgebung der Hauptstadt Kiew hat sich das russische Militär inzwischen zurückgezogen. Aus ehemals besetzten Gebieten werden Kriegsgräuel gemeldet.

Russen melden Einnahme des Hafens von Mariupol

Im Kriegsgebiet nahmen russische Truppen die seit Wochen belagerte südukrainische Hafenstadt Mariupol noch härter in die Zange. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, russische Truppen hätten den Hafen komplett unter Kontrolle. Zudem hätten sich inzwischen 1160 ukrainische Soldaten ergeben.

Der Handelshafen sei von ukrainischen Asow-Kämpfern «befreit» worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow.

Mariupols Bürgermeister Wadym Bojtschenko wies dies als «Falschnachrichten» zurück und gab sich siegessicher. «Mariupol war, ist und bleibt eine ukrainische Stadt», sagte er in der ARD.

Dem US-Kriegsforschungsinstitut Institute for the Study of War (ISW) zufolge werden die russischen Truppen die Stadt «wahrscheinlich» in der kommenden Woche erobern, wie es in der Nacht zu Donnerstag hieß.

Russland berichtet von Angriff auf Flughafen von Dnipro

Das russische Ministerium meldete auch, man habe auf einem Flugplatz der ostukrainischen Millionenstadt Dnipro einen Kampfflieger und weiteres Fluggerät zerstört. Darüber hinaus seien zwei Waffenlager in den Gebieten Odessa und Donezk attackiert worden. Die Angaben der Kriegsparteien sind meist nicht unabhängig zu überprüfen.

Der polnische Präsident Andrzej Duda warf Russland vor, in der Ukraine einen «totalen Krieg» zu führen. Er hoffe, sein gemeinsamer Besuch mit den Präsidenten Litauens, Lettlands und Estlands in Kiew sei ein Zeichen der Unterstützung für die Verteidiger der Ukraine.

Evakuierung russischen Raketenkreuzers

Die Besatzung des russischen Raketenkreuzers «Moskwa» («Moskau») ist nach Angaben aus Moskau derweil vollständig evakuiert worden. Das Schiff der Schwarzmeerflotte sei durch die «Detonation von Munition infolge eines Brandes» schwer beschädigt, berichtete die russische Agentur Tass unter Berufung auf das russische Verteidigungsministerium.

Ukraine: Vierter Gefangenenaustausch mit Russland

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben einen weiteren Gefangenenaustausch mit Russland vollzogen. «Ausgetauscht wurden fünf Offiziere und 17 einfache Soldaten», teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Donnerstag im Nachrichtenkanal Telegram mit. Zudem seien acht Zivilisten, darunter eine Frau, an Kiew übergeben worden. Wie viele Russen im Gegenzug übergeben wurden, teilte sie nicht mit. Es war Wereschtschuk zufolge der vierte Austausch seit dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine.

Westen rüstet Ukraine auf

Angesichts der erwarteten Großoffensive Russlands im Osten der Ukraine stellen die USA und die EU zusammen über 1,2 Milliarden Euro für Waffenlieferungen an Kiew bereit. Die USA kündigten an, sie wollten der Ukraine weitere Waffen und Munition im Wert von bis zu 800 Millionen Dollar (740 Millionen Euro) liefern.

Darunter seien Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge und Hubschrauber. US-Präsident Joe Biden erklärte nach einem Gespräch mit Selenskyj, die neuen Lieferungen sollten die Ukraine insbesondere angesichts des befürchteten Großangriffs in der Donbass-Region unterstützen.

Außerdem erwägt auch die US-Regierung, einen ranghohen Vertreter zu Gesprächen in die Ukraine zu schicken. Biden sagte, diese Entscheidung werde derzeit getroffen. US-Medien hatten zuvor berichtet, die US-Regierung denke darüber nach, womöglich Verteidigungsminister Lloyd Austin oder Außenminister Antony Blinken zu einem Besuch in die Ukraine zu entsenden.

In Deutschland dringen vor allem Grüne und FDP in der Ampel-Koalition auf weitere Hilfen für Kiew auch in Form von schweren Waffen. Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter forderte von Bundeskanzler Scholz Bewegung. «Das Problem ist im Kanzleramt», sagte Hofreiter bei RTL. «Wir müssen jetzt endlich anfangen, der Ukraine das zu liefern, was sie braucht, und das sind auch schwere Waffen.» Und Deutschland müsse aufhören, ein Embargo von Öl und Kohle zu blockieren. Nötig sei mehr Führung. Ähnliche Mahnungen kamen von der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann im Deutschlandfunk. Scholz hat sich bisher zurückhaltend zur Lieferung schwerer Waffen an Kiew geäußert.

Kritik an Waffenlieferungen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach sich vehement gegen deutsche Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine aus. «Wir würden eine Linie überschreiten, wenn wir Panzer oder Flugzeuge liefern oder gar eine Flugverbotszone einrichten. Diese Linie gilt es zu halten», sagte Kretschmer der «Rheinischen Post» (Donnerstag). Deutschland leiste enorm viel, dürfe aber nicht zur Kriegspartei werden.

UN warnt vor Folgekrisen des Ukraine-Kriegs

Weltweit wird der Ukraine-Krieg aus Sicht von UN-Generalsekretär Antonio Guterres eine Vielzahl von Krisen bei Lebensmitteln, Energie und Finanzen auslösen. «Die Auswirkungen des Krieges sind global und systemisch», sagte Guterres in New York. Bis zu 1,7 Milliarden Menschen weltweit seien diesem «perfekten Sturm» extrem ausgesetzt.