199 Menschen sind bisher in deutschen Gewässern ertrunken

199 Menschen sind bisher in deutschen Gewässern ertrunken
Vier von fünf Opfern sind männlich. 87 Verunglückte waren älter als 50 Jahre. Rund 45.000 Mitglieder des DLRG wachen jährlich fast 2,5 Millionen Stunden über die Sicherheit von Badegästen und Wassersportlern. (Bild: DLRG/Daniel Reinelt)
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Redaktion

Bad Nenndorf/Damp (pr/le) – In den ersten sieben Monaten des Jahres 2022 sind mindestens 199 Menschen in deutschen Gewässern ertrunken. Das sind 15 Personen mehr als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr, so die DLRG. Die meisten Personen ertranken in Bayern. Vier von fünf Opfern sind männlich.

Insgesamt 136 Menschen kamen seit Beginn der Badesaison Anfang Mai im Wasser ums Leben, neun mehr als im Vergleichszeitraum 2021. „Der trockene und sehr warme Mai hat viele Menschen direkt zu Wassersport und Erholung an die Gewässer gelockt. Dabei kam es vermehrt zu Unfällen in den noch kühlen Gewässern“, erklärte die Präsidentin der DLRG, Ute Vogt. Im Mai ertranken 30 Frauen, Männer und Kinder.

Nie in völlig unbeaufsichtigten Seen oder Flüssen schwimmen gehen

Die Mehrzahl aller Unfälle ereignet sich weiterhin im Binnenland an zumeist unbewachten Gewässern. In Freigewässern wie Flüssen und Seen ertranken 180 Menschen, das entspricht 90 Prozent der Fälle. Ertranken in Seen ebenso viele Personen wie im Vorjahr (86), ist die Anzahl in den Flüssen von 53 auf 64 gestiegen. „Wir appellieren an die Vernunft der Menschen, nicht in völlig unbeaufsichtigten Seen und schon gar nicht in Flüssen schwimmen zu gehen. Wenn dort etwas passiert, ist die Aussicht auf lebensrettende Hilfe oft gleich null“, so Ute Vogt.

Vier von fünf Opern sind männlich

In Nord- und Ostsee sind bisher vier Menschen ums Leben gekommen, deutlich weniger als 2021 (16). Dort werden zwischen Mai und September an sieben Tagen in der Woche viele Strände von – zumeist ehrenamtlichen – Rettungsschwimmern bewacht. Auch in Schwimmbädern (5), Hafenbecken (4) und Pools (1) kamen Personen zu Tode. Vier von fünf Opfern sind männlich. 87 Verunglückte (44 Prozent der Gesamtzahl) waren älter als 50 Jahre, zehn waren Kinder im Vor- und Grundschulalter. Die meisten Personen ertranken in Bayern (42), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (30) und Niedersachsen (23).

Rettungsschwimmer oft zur Stelle

„Die Zahl der Ertrunkenen wäre noch deutlich größer, wenn Rettungsschwimmer nicht auch immer wieder zur Stelle wären“, berichtete der Leiter Verbandskommunikation im DLRG Präsidium, Frank Villmow. Täglich erhalte er derzeit Meldungen über Lebensrettungen der Einsatzkräfte an den Badestellen im Binnenland und den Stränden an der Küste.

Übermütiges Handeln und wenig Schwimmerfahrung

„Immer wieder zeigt sich, dass vor allem Selbstüberschätzung, übermütiges Handeln und Unkenntnis über Gefahren zu Unfällen führen“, sagte Villmow. In vielen Fällen stellten die Retter hinterher fest, dass die Geretteten kaum oder gar nicht schwimmen können. Oft handele es sich bei den Geretteten um Kinder und Jugendliche.

Viele Kinder können nicht schwimmen

Den Blick in die Zukunft gerichtet, befürchtet DLRG Chefin Ute Vogt, dass die Sicherheit an den Gewässern leiden könnte. Während der Pandemie haben viel weniger Kinder als üblich das Schwimmen gelernt und es wurden nur halb so viele Rettungsschwimmer ausgebildet wie in normalen Jahren.

Zahlen

Die DLRG ist der größte private Anbieter in der Schwimmausbildung und die Nummer eins in der Rettungsschwimmausbildung in Deutschland. Von 1950 bis 2020 hat sie fast 23 Millionen Schwimmprüfungen und über fünf Millionen Ret-tungsschwimmprüfungen abgenommen. Rund 45.000 Mitglieder wachen jährlich fast 2,5 Millionen Stunden über die Sicherheit von Badegästen und Wassersportlern.

(Quelle: DLRG Zwischenbilanz 2022)